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Das junge Mädchen hatte bis jetzt tapfer und stand­haft ausgehalten. Als Kurt in der dunklen Nacht fast verzweifelte, war sie muthig geblieben, jetzt, nachdem die Rettung gelungen, fiel sie besinnungslos in die Arme des alten Herrn. Kurt erschrak, das geister­bleiche Antlitz entsetzte ihn. '

„Ich habe sie getödtet," stöhnte er. „Thor, der ich war, warum konnte ich denn nicht besser für sie sorgen?"

Lester tröstete ihn.

„Es ist nur die Reaction der überstandenen Leiden," beruhigte er, dann tnw -r sie wie ein Kind in das Haus und übergab sie Pflege.

Die drei Herren hatten viel zu berichten; Herrn Lesters Erscheinen, so unerwartet es auch war, war keineswegs zufällig. So schlau die Geschwister Richter in ihren schändlichen Berechnungen auch gewesen waren, so hatten sie eine Vorsicht aus dem Auge gelassen.

Der Arzt, der Herrn Richter behandelte, war der­selbe, der schon früher dessen Frau in deren Krankheit besucht und ungefähr zur selben Zeit sich vergeblich bemüht hatte, Herrn Lesters ältesten Knaben das Leben zu erhalten. W W

Ein Fremder hätte wahrscheinlich nichts Auffallen­des in Waldbrunnen entdeckt; aber der Arzt war kein Fremder. Er benachrichtigte Herrn Lester, daß in Waldbrunnen nicht alles in Ordnung, daß Valesca's Wohlfahrt, vielleicht ihr Leben in Gefahr sei, wenn sie nach dem Tode des Pflegevaters der Obhut der Geschwister anvertraut sei.

Frau Lester bat ihren Gatten, unverzüglich abzu­

ziemlich deutlich abgesprochen. Das veranlaßt Herrn Kulemann hinwieder, in einer langen Erklärung in der ,Braunschw. Lcmdesztg.' der ,Nationall. Korresp.' den parteioffiziösen Charakter abzusprechen und die­selbe als ein bloßes Geschäftsunternehmen zu brandmarken. Er beruft sich in dieser Hinsicht auf „berufene Mitglieder des Parteivorstandes." Es fallen dabei recht kräftige Worte, wie z. B.: „Die ,N.-L.-K.' ist ausschließlich ein privates geschäftliches Unternehmen, ihre Auslassungen sind nichts als die persön­lichen Meinungsäußerungen eines ein­zelnen Parteimitgliedes, unb noch dazu eines recht unbedeutenden, dessen Name in weiteren Kreisen völlig unbekannt ist." Weiter wird gesprochen von einer „Aeußerung der,N.-L.-K.', welche die politische Unfähigkeit ihres Heraus­gebers auf das Zweifelloseste erwiesen hatte" und dergleichen mehr. Außerdem erklärt Herr Kulemann, daß er dem Partei vorstand Gelegenheit geben werde, „sich in authentischer Weise zu äußern." Wir sind sehr darauf gespannt, ob der Parteivorstand diese Gelegenheit wahrnehmen wird. Jedenfalls ist der Vor­gang bezeichnend für die Zustände in der national­liberalen Partei, deren Organe so gern über die „Spaltungen" in anderen Parteien fabeln. Den Balken im eigenen Auge fehen sie nicht!

* Dem anarchistischen ,Sozialist ist die Post ge­sperrt worden; das Blatt soll nun, wie es heißt, im Auslande hergestellt werden. Die Sperrung des Postvertriebs beweist jedenfalls, daß man auch ohne Umsturzvorlage den Druck anarchistischer Blätter in Deutschland zu verhindern versteht.

* Hannover, 29. Dez. Der ehemalige Reichstags­abgeordnete Leuß wird, wie man der ,B. M.' von hier meldet, seine Strafe in Lüneburg im dortigen Zuchthause abbüßen und dort als Arbeiter in den Kalkbergen beschäftigt werden. Da nach Lage der Sache von irgend einem Recurs gegen das ergangene Urtheil nicht gut die Rede fein kann, so dürfte die Abführung des Verurtheilten demnächst erfolgen.

* Heber einen deutsch-französischen Grenzzwischen­fall berichtet die ,Straßburger Post': Ter Sohn des ehemaligen Notars Zimmermann, dessen Wittwe vor einigen Tagen hier in ärmlichen Verhältnissen ver­storben ist, Paul Zimmermann, war in Frankreich als angeblicher französischer Staatsangehöriger gegen seinen Willen in die französische Armee als Soldat eingestellt worden. Zimmermann desertirte und ging in das Elsaß zurück. Er lebte theils hier und theils in be­nachbarten Ortennnd machte Reisen nach allen Richtungen. Vor einigen Tagen war er auf französischem Gebiete auf der Diedolshaufener Höhe. Da wurde er von französischen Grenzwächtern gesehen und erkannt. Die Grenzwächter schlichen sich an ihn heran. Zimmermann erkannte zu spät die Gefahr, in die er gerathen. Er ergriff die Flucht und versuchte die deutsche Grenze zu erreichen, was ihm auch gelang. Er blieb nicht stehen, sondern lief mindestens noch 50 Meter weiter, seine Verfolger hinter ihm her. Etwa 50 Meter auf deutschem Boden erreichten die französischen Grenz­wächter den Deserteur; sie ergriffen ihn und schleppten ihn über die französische Grenze zurück. Zimmermann wurde nach St. Dia ins Gefängniß gebracht. Die deutsche Behörde erhob sofort Erkundigungen und auf Grund derselben wurde die deutsche Botschaft in Paris benachrichtigt. Sie schritt ein und die französischen Behörden leiteten sofort eine Untersuchung ein. In Folge derselben wurde der aus deutschem Boden ver­haftete Zimmermann in Freiheit gesetzt. Er ist hier schon wieder eingetroffen.

Ausland.

* Rom, 28. Dez. Die Meldung der Blätter, daß die Parlaments-Session am 7. Januar geschlossen und die Kammer am 20. Januar aufgelöst werden würde, wird von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet. Es sei überhaupt noch nichts darüber entschieden, ob die gegenwärttge Kammer aufgelöst oder wieder ein­berufen werden solle.

* Paris, 28. Dez. DieChristbescheerung der sogen, elsaß-lothringischen Kinder nahm am 24. d.M. im Winter - Circus ihren gewohnten Verlauf. Die Association genörale d’Alsace- Lorraine, deren Jahres­bericht von drei Millionen erzählen kann, die seit der Gründung des Vereins für die Unterstützung Noth- leidender und die Erziehung verwaister Kinder ausge­geben worden sind, that, ihrer Gewohnheit treu, ihr Möglichstes, um das Herz der Kleinen durch Spielzeug und Leckerbissen zu erfreuen und ihnen überdies warme Kleidungsstücke und gutes Schuhwerk auf den Heimweg mitzugeben. Der Präsident der Republik hatte sich bei der Feier durch den Major Bourgeois vertreten lassen.

* St. Petersburg, 28. Dez. Der Kaiser und die Kaiserin haben für das nächste Jahr eine Reise durch ganz Rußland und den Kaukasus in Aussicht genommen.

* Sofia, 28. Dez. Die Bekanntgabe des Berichts der Kommission in der Amnestiefrage steht un­mittelbar bevor. Ich vernehme authentisch, daß alle Emigranten, darunter auch Zankow, begnadigt werden; im Ganzen 60 Personen mit fünf bis sechs Ausnahmen, namentlich der militärischen Urheber des Sturzes des Battenbergers.

* Tanger, 28. Dez. Der deutsche Gesandte erhielt vollständige Genugthuung wegen der Ermordung des deutschen Kaufmanns Neumann. Der Mörder Neu­manns, Abdelkader, wird hin gerichtet; seine beiden Mitschuldigen zu lebenslänglichem Gefängniß verur- theilt. Der Familie des Ermordeten wird eine Ent- fchädigung ausgezahlt.

* Peking, 28. Dez. Der Gouverneur von Shan- Tung richtete an die Krone ein Memorandum, in dem er bittet, den Admiral Ting, mehrere Generale und hohe Staatsbeamte wegen Feigheit, Ver- nachläfsigung ihrer Pflichten und Unfähigkeit zur Be­strafung zu ziehen. Man erwartet, daß der Kaiser einen Kabinetsbefehl für deren Verhaftung erlassen werde. — Der am er ika irische Gesandte wurde von seiner Regierung telegraphisch beauftragt, von der chinesischen Regierung Genugthuung dafür zu fordern, daß die letztere ihre Versprechungen, in Zu­kunft Mißhandlungen zu unterlassen und keine Strafen ohne vorhergegangenes regelrechtes Gerichtsverfahren zu bittren, gebrochen habe. Veranlassung zu biesem Schritte Seitens ber Regierung ber Union gab bie Behanblung zweier vom amerikanischen Konsul in Shanghai ber chinesischen Regierung ansgelieferter japanischen Stubenten.__________________________

MM, Provinz und Nachlmrgediet.

Fulda, 31. Dezember.

* Am Jahresschluß sagen wir allen unseren Freunden und Gönnern, Lesern und Leserinnen herzlichen Dank für die der ,Fuldaer Zeitung' entgegengebrachte treue Anhänglichkeit. Wir bitten sie, dieselbe auch im neuen Jahre zu bewahren. Allen möge der liebe Gott ein recht glückliches neues Jahr bescheeren!

* Ter,Germania' wird aus Fulda vom 23. d. M. geschrieben:

Während der gestrigen Priesterweihe im Dome traf die freudige Nachricht ein, daß Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. zwei reisen, um Vally zu holen, und Laura's flehende Bitte erinnerten ihn so deutlich an das Versprechen, welches er vor zwölf Jahren der sterbenden Mutter gegeben hatte, daß er sich schnell zur Abreise entschloß.

Er langte gerade eine Stunde nach der Abreise der Geschwister in Saratonka an und rieb sich vergnügt die Hände, als er von Saarfeld hörte, daß Kurt den Rettungsversuch schou unternommen habe.

„Hoffentlich hat er die Geschwister nicht unterwegs getroffen," meinte Saarfeld besorgt.

„Nun, wenn dem so wäre, was schadete es? Michael ist natürlich unbewaffnet, Ihr Freund dagegen so stark wie ein Herkules. Beruhigen Sie sich über das lange Ausbleiben. Wäre ihm ein Unglück zuge­stoßen, so müßte Hettor längst hier sein, denn das treue Thier kennt Weg und Steg so gut wie ich."

Kaum hatte Herr Lester diese beruhigenden Worte gesprochen, als Kurt mit seinem Schützling anlangte. Er schilderte in lebhaften Farben Vally's Leiden und die ihr drohende Gefahr, falls sie standhaft Michael's Hand verweigerte.

„Sie würden das Mädchen nicht gebeugt haben," wandte Herr Lester ein. „Beide Kinder haben einen sehr festen Charakter, wahrscheinlich ein Erbtheil des Vaters, denn die Mutter war schwach und demüthig genug. Also in einem Jrrenhause sollte Vally ihr Leben enden? Na, da hätte man weit mit ihr reisen müssen, denn eine solche Anstatt existirt hier in dieser Umgegend nicht. Abe» Gott sei gedankt, jetzt ist Vally in Sicherheit. Ich nehme sie mit nach Kalifornien und freue mich schon jetzt auf Laura's Empfang." (F. f.)

hochverdiente Priester unserer Diözese, die Herren Professoren am hiesigen bischöflichen Priesterseminare Andreas Schick und Dr. phil. et theol. C. Gutberlet, zu päpstlichen Geheim­kämmerern ernannt hat. Der letztere hockw. Herr ist bekannt durch die Herausgabe des Philosophischen Jahrbuches; an der philosophisch-theologischen Lehranstalt ist er Professor der Dog­matik, Apologetik und Propädeutik. Herr Professor Schick ist bekannt nicht nur als frommer, eifriger Priester, sondern auch als ein echter Volksmann. Der von ihm herausgegebene ,Boni- fatiusbote' zählt schon 12,000 Abonnenten, und der durch ge­nanntes Sonntagsblatt gesammelte Josephspsennig zur Unter­stützung hilfsbedürftiger Priesteraspiranten hat die Summe von 100,000 Mark längst überschritten. Im Beichtstühle, auf der Kanzel, sowie in religiösen und landwirthschaftiichen Vereinen und Wahlversammlungen ist er unermüdlich thätig. Am Priester­seminare bekleidet er das Amt eines Profesiors der Moral, Patrologie und der Patristik. Wie man hört, hat ihn die Kgl. Regierung jüngst von der Kandidatenliste für den erledigten Domherrnstuhl gestrichen. Die obige Nachricht hat überall freudigen Widerhall gesunden."

Zur Ergänzung obiger Nachricht sei noch barauf hingewiesen, baß Herr Prof. Gutberlet mehr noch als burch bie Herausgabe bes Philosophischen Jahr­buchs rühmlichst bekannt ist als Verfasser bes ausge­zeichneten „Lehrbuchs ber Philosophie" (6 Bbe.) unb bes „Lehrbuchs ber Apologetik" (3 Bbe.). Weitere Schriften besfelben finb: „Das Buch Tobias", „Der Spiritismus", „Das Gesetz von ber Erhaltung ber Kraft", „Die neue Raumtheorie", „Ethik unbReligion", „Die Willensfreiheit unb ihre Gegner". Außerbem hat Herr Prof. Gutberlet zahllose größere unb kleinere Abhanblungeit unb Aufsätze in wissenschaftlichen unb Unterhaltungs-Zeitschriften veröffentlicht. Neuerbings hat berselbe bie Fortsetzung ber Heinrich'schen Dog­matik übernommen. In Nr. 3 bes .Literarischen Hand- roeifer' lesen wir darüber folgenbe Mittheilung:

„Die beiden großen deutschen Dogmatiken, welche die letzte Zeit uns brachte, liegen nach dem Hinscheiden ihrer unver­geßlichen Verfasser leider noch immer unvollendet da. Aber einer derselben soll, wie wir zu unserer großen Freude hörten, nun doch bald geholfen werden: die Fortsetzung der großen Heinrich'schen Dogmatik hat Prof. Gutberlet in Fulda übernommen und damit ist die Aufgabe den besten Händen an- verttaut."

Verschiebene ehrenvolle Berufungen an beutfche und anslänblsche Universitäten hat berselbe abgelehnt.

>t< In ber letzten diesjährigen Generalversammlung bes hiesigen Kriegervereins fanb bie Ergänzungswahl bes Vorstandes statt. Wieber- bezw. neugewählt würben bie Herren Kameraben: Lehrer Weber als!., Steuer­inspektor Bobe als II. Vorsitzenber, Kaufmann Rie­tz o l b, Schuhmachermeister K o l l m a n n, Lehrer Löwenstein unb Stabtpebell Fälsch als Beisitzer. Eine in berseltzen Versammlung vorgenommene Autton verschiebener recht netter Gegenstänbe, bie in bankens- werther Weise von Kameraben gespenbet waren, hatte einen günstigen finanziellen Ertrag. Durch bie aus berseltzen erzielten Beiträge, sowie burch ben Erlös aus ber Cigarrenspitzen-Sammlung war es bem Vorstanbe möglich, auch biese Weihnachten zwei hiesige wohl- thätige Anstalten, sowie zehil Wittwen tzezw. Waisen hiesiger Stabt mit nicht unbebeutenben Unter­stützungen erfreuen zu können. Herzlichen Dank Allen, bie auf irgenb eine Weise zu biesem schönen Erfolg beigetragen haben. Herzlichen Dank bem bewährten Freunbe des Kriegervereins, Hrn. Rentier Fuchs, ber auch in biesem Jahre wieber bie meisten Cigarren­spitzen eingeliefert hat, sowie ben wackeren Herren, bie ihn bei diesem Liebeswerke treulich unterstützt haben. — Unsere Sammelkästchen empfehlen wir auch im neuen Jahre allen Gastwirtheu, Kaufleuten unb Privat­personen in ber Stabt unb Umgegenb aufs Wärmste zur fleißigen Benutzung.

(gl Wie uns mitgetheilt wirb, beabsichtigt ber Zeichen­lehrer Herr Göhring von Mitte Januar ab wieber einen Kursus zur Erlernung der Rundschrift abzuhalten. Im Interesse eines jeden jungen Mannes ist die Theil- nahme an demselben nur zu empfehlen, indem der Unterricht in leicht faßlicher Weise ertheilt wird und bei etwas Aufmerksamkeit in 20, höchstens 24 Stunden erlernt werden kann. Außerdem ist das Honorar ein so geringes, daß es vielen ermöglicht ist, an dem Kursus theilnehmen zu können. So viel wir in Erfahrung gebracht haben, kostet der ganze Kursus einschl. Licht und Heizung 6 Mark ohne jede Nachzahlung, gleichviel ob derselbe 20 oder 30 Stunden in Anspruch nimmt. Die Liste zum Einzeichnen liegt von jetzt ab bei oben genanntem Herrn, Marktstraße Nr. 93 eine Treppe hoch, zur Einzeichnung offen, woselbst auch Probe­schriften einzusehen sind. Der Beginn des Unterrichts wird noch besonders bekannt gemacht werden.

* Hersfeld, 28. Dez. In den Tagen vom 17. bis 22. d. M. fand an der hiesigen Kriegsschule die Osfiziersprüsung durch die Kgl. Öber-Militär-Exami- nations-Kommission, deren Präses Seine Excellenz Herr Generallieutenant von Scheel ist, statt. Ferner wohnte der General-Inspekteur des Militär-Erzieh­ungs- und Bildungswesens, Seine Excellenz Herr General der Infanterie v. Keßler, der Prüfung bei. Der nächste Kursus beginnt am 1. April 1895.

* Kassel, 26. Dez. Am ersten Festtage ist aus ber Fnlba zwischen hier unb bem Wolfsanger ein Boot, in welchem fünf Personen saßen, umgeschlagen. Ein Mann aus Landwehrhageii ist ertrunken. Derselbe war verheirathet.

* Hanau, 28. Dezbr. In bie Stelle des ersten Polizeikommissars, bie burch ben Tob, des Herrn Polizeiinspektors Neumann freigeworden ist, wird Herr