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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfsrt,

verbunden mit dem AMadlatt. Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21).

â 304 Dienstag den 23. December 185 6»

^^" Inserate, welche den folgenden Tag nach der Aufgabe im Jntelligenzblatte erscheinen sollen, werden, bei herannahendem Weihnachts­feste, Bormittags von der Expedition erbeten.

UeberbLiâe Her Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Franksart , den 23. Dec. Ueber die Rechtsfrage in der Neuenburger Angelegen­heit war unter allen Unbefangenen und der Aktenstücke Kundigen von Anfang an ein Streit, und über den Ausgang dieser Angelegenheit kann kaum ein Zweifel sein, nachdem der Schweizer Bundeörath dem versöhnlichen Auftreten Preußens gegenüber auch nicht die kleinste Concession gemacht hat. Ja, die Denkschrift des Bundesrathes hat sogar jeden Rechtsanspruch der preußischen Krone auf Neuenburg geleugnet; durch einen „Irrthum" sei auf dem Wiener Congrcß Neuenburg den Gebietstheilen zugezählt worden, welche Preußen in Folge des Tilsiter Friedens abgetreten habe, und in Folge dieses Irrthums sei die Herrschaft der Hohenzollern in Neuenburg wieder hergestellt worden. Jedenfalls hat die Schweiz selbst von 1815 bis 1840, ein Menschenalter hindurch diesen „Irrthum" getheilt und die Herrschaft des Monarchen in Neuenburg anerkannt, der so wesentlich durch seine siegreichen Waffen zu ihrer Wiederherstellung und Vergrößerung beigetra­gen hatte. Diesem Hohne gegenüber kann es nicht überraschen, daß Preußen die diplo­matischen Beziehungen abgebrochen und daß Frankreich erklärt hat, eS halte seine Ver­mittlerrolle für beendet, da die Schweiz seine Vorschläge abgelehnt habe; der BundeS- rath möge selbst die Verantwortung übernehmen für alle Folge, welche aus der Ableh­nung der Vorschläge Frankreichs entspringen könnten. Betrachtet man die innere Lage der Schweiz, so erscheint die auswärtige Politik des BundeSrathes doppelt verwegen. Wir sehen gerade jetzt den Rückschlag deS Sieges der radicalen Partei nach dem Son- derbundSkrieg im Innern eintreten und die Gefahr liegt nahe, daß auch die auswär­tigen Mächte wieder, arcknüpfen werden an dem Faden, der damals durch Ereignisse - abgerissen wurde, deren Wiederkehr im gegenwärtigen Augenblick kein besonnener Beo­bachter der Weltereignisse erwarten wird. Es bedarf keiner Sympathie für die im Son- derbundskrieg unterlegene Partei, sondern es ist nur eine nothwendige Confeguenz des republikanischen Princips der Volkssouveränität, wenn man es monströs findet, daß die Republik Freiburg seit acht Jahren durch eine vctroyirte Regierung beherrscht wurde, welche, wie die neuesten Wahlen bewiesen haben, nur auf ’^o des Volkes zählen kann.