Intelligenz-Blatt der freies Stadt Kaskfart, /C3hk verbunden mit dem Amtsblatt , Organ der hiesigen Staats- iUâ^WUW brhSrbe», und den Frsskfürter Nachrichten als Ertrabeilage. | j
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
W 278 Samstag den 22. November 1856.
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Frankfurt, den 22. November. DaS Bestehen oder Richtbestehen der englisch- französischen Allianz ist eine Frage, deren Lösung die Presse Europas fast täglich be- schästigt, und eS werden in dieser Beziehung die mannigfaltigsten Conjecturen gemacht, die verschiedenartigsten Schlüffe gezogen. Wir begreifen vollkommen die hohe Wichtigkeit, welche man der erwähnten Frage beilegt. Die Allianz selbst, welche zwischen zwei, seit Jahrhunderten sich feindlich gegenüberstehenden Völkern, sich so rasch und unerwartet gebildet hat,.ist ein Ereignis: von so welthistorischer Bedeutung, daß für Jeden, der die Vöikerschicksale mit Theilnahme verfolgt, wichtig ist, sich diejenigen Ursachen klar zu machen, welche j neS Bündniß früher oder später zu lösen im Stande sein möchten. Es kann zunächst einer klaren und ruhigen Anschauung unserer gegenwärtigen Verhältnisse nicht verschlossen bleiben, daß jene Ursachen nicht in den Ideen, sondern in den Interessen der Völker zu suchen sein werden. Nicht die Ideale sind es heutzutage, welche die Basts für die Bündnisse der Völker bilden, sondern daö gemeinschaftliche Streben nach der materiellen Wohlfahrt. Wer also auf dem Gebiete der politischen Tendenzen und der Abstraktionen Grunde für das Halten oder Auseinandergehen des westmächtlichen Bündnisses sucht, wird von der Wahrheit entfernt bleiben muffn. Wenn wir nun den Blick auf diejenigen Interessen werfen, welche in diesem Augenblick die Hauptmotive zu den historischen Bewegungen sind, so werden wir finden, daß sie sich allein im Handel und den Handelsbeziehungen concentriren, welche am mächtigsten und direktesten auf die Volkswvhlführt einwirken Für den Verkehr aller handeltreibenden Völker stellen fich aber gegenwärtig die kommerziellen Beziehungen zum Orient in den Vordergrund; diese Beziehungen werden mit Recht als die Frage der Zukunft angesehen. Die Schranken, welche um China gezogen waren, find gefallen und immer mehr strömt der Verkehr nach Asten. Es ist wiederholt darauf hinzuweisen, daß die österreichische Ansicht, welche den asiatischen Handel wieder auf die Karavanenwege Hinweisen will, unhaltbar sei. Bei dem Handel zur See aber, der nach dem Orient hin in immer mächtigeren Verhältnissen anwächst, tritt ein entschiedenes Auseinandergehen der französischen Interessen augenfällig hervor. Frankreich rastet nicht und bietet alle ihm zu Gebote stehenden Mittel auf, um den Durchstich der Landenge von Suez zu realistren. Dieses Bemühen ist den französischen Interessen vollkommen gemäß. Wenn einmal der Kanal durch die Landenge von Suez der Schifffahrt geöffnet ist, so hat