Intelligenz-Blatt der freien Stadt Muksart, zfT| verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staats- hehSrdea,. und den /rankfarter Nachrichten als Ertrabeilage. I
tErpedition! am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21)
M 274 Dienstag den 18. November 1856.
NeberbSiâ der Greiguiffe im Gebiete der politische« «ud materiellen Interessen.
Frankfurt, den 18. November. Der frühere Redacteur der „Speyerer Ztg." und bayerische Abgeordnete Kolb, jetzt in Zürich lebend, hat eine „Vergleichende Statistik" veröffentlicht, welche interessante Angaben über mehrere Angelegenheiten gibt, welche die Gegenwart sehr beschäftigen, oder der nächsten Vergangenheit angehören. So veranschlagt derselbe die Kosten deS orientalischen Krieges für die kriegführenden Mächte auf 5,550,000,000 Franken, wovon auf England 1940, auf Frankreich 1600, auf Rußland 1200, auf die Türkei 700, auf Sardinien 60 Millionen kommen. Dazu kommen noch 725 Millionen Franken, welche die nichtbetheiligten Mächte durch Kriegsrüstungen verbraucht, nämlich Oesterreich 600, Preußen 75, die übrigen deutschen Staaten 40, die nordischen Staaten 10 Millionen Franken. So ergibt sich, ohne Mit- rechnung der Kosten, welche Griechenland durch die in Folge des Krieges eingetretene Occupation der Westmächte gehabt hat, eine Gesämintsumme von 6200 Millionen Franken, wovon 4800 Millionen durch Anleihen aufgebracht worden sind, was also einer Vermehrung der Zinsen der Staatsschulden um 250 Millionen gleich kommt. Dabei sind die gar nicht zu berechnenden Opfer der Einzelnen im türkischen Gebiet, Finnland, den Donaufürstenthümern und Südrußland unberücksichtigt geblieben und es ist, abgesehen von der S-örung des Handels und Verkehrs in allen Erdtheilen. — Weiter macht der Verfasser in beherzigenswerther Weise darauf aufmerksam, daß es durchaus nicht vorauszuberechnen ist, bis zu welchem Punkte die Vermehrung der Staatsschulden getrieben werden kann; daß ein Jahr, nachdem ein kenntnißreicher deutscher Statistiker die Unmöglichkeit für Frankreich, einen Krieg zu führen, auS dessen Finanzlage klar, erwiesen, Frankreich mit früher unerhörter Leichtigkeit 1500 Millionen Franken zum Behufe eines Krieges leihen konnte; daß man aber auf der anderen Seite wohl thut, an die Law'schen Zeiten und die Assignaten in Frankreich, an die Zahlungseinstellungen und einseitige Schuldherabsetzung in Holland und in Dänemark, und für die Gegenwart an die Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen in Spanien, Portugal, Griechenland und dem größten Theil von Amerika sich zu erinnern. Auch über die Creditbanken sagt Kolb gewichtige Worte(S. 327, 343) und seine Ansicht über die Frage: ob Silber oder Goldwährung? faßt er nach einer längeren, für die Silberwährung sich entscheidenden Auseinandersetzung in die Worte zusammen: „Die Anmuthung, in diesem Augenblick Goldwährung einzuführen, steht vollkommen gleich der Anforderung, das Ur-