Intelligenz-Blatt der freie« Stadt Kankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Erpeditionr am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 254. Samstag den 25. October 1856.
Ueberbliâ -er Greigniffe iw Gebiete der politische« And materLellen Interessen.
Frankfurt, den 25. October. Was wird aus Neapel werden? Wir wollen zunächst mit wenigen Worten daran erinnern, wie die Spannung mit Neapel entstanden ist. England und Frankreich wollten während des orientalischen Krieges ihre Armeen mit Getreide versehen; der König Ferdinand erließ ein Ausfuhrverbot. Später verlangten sie die Erlaubniß zur Ausfuhr von Salpeter aus Sicilien; auch das wurde ihnen als eine Verletzung der Neutralität verweigert. Auf wiederholtes Andringen ertheilte der König Ferdinand zwar die Erlaubniß zum Einkauf, verbot jedoch den neapolitanischen Schiffen die Fortschaffung desselben. Diese Maßregel kam dem früheren Verbote gleich, da die Westmächte damals keine verfügbaren Schiffe dort hatten. Wegen dieses systematischen Mißwollens brachten der englische und der französische Minister in den letzten Sitzungen des Pariser Kongresses die Zustände in Neapel zur Sprache. Sie forderten den König von Neapel auf, sein Regierungssystem zu ändern, und sie gaben, indem sie die Protokolle drucken ließen, der Sache eine Oeffentlichkeit, die den König im eigenen Lande, wie im Auslande blosstellen mußte. — Im Anfänge mögen England und Frankreich in voller Uebereinstimmung gehandelt haben, aber bald konnte man sehen, daß England, daß namentlich Lord Palmerston der neapolitanischen Angelegenheit besonderen Eifer und Interesse zuwandte. Schon die Veröffentlichung der Protokolle war zumeist s e i n Werk. Wer den Character Lord Palmerston's genauer kennt, wird den Zweck dieses Manövers leicht Heraussinden; er operirt mit Allem, denn Alles ist ihm nur Mittel, auch die Revolution. Verwickelungen herbeizuführen, Minen zu legen und springen zu lassen, darin findet Lord Feuerbrand ein besonderes Vergnügen. So fand er in der neapolitanischen Angelegenheit einen Stoff, wie gemacht für seine Hand. Die Veröffentlichung der Conferenzprotokolle sollte dem In- und Auslande zeigen, daß er für ein schwer gedrücktes Volk eine Lanze angelegt; gleichzeitig aber brachte er den König Ferdinand, der in so hohem Grade seinen Gross auf sich gezogen, durch die Veröffentlichung der Protokolle in die Lage, nicht auf die Vorstellungen der Westmächte eingehen zu können, ohne seine Autorität zu erschüttern. In der That antwortete der König durch die bekannte Note vom 7. August auf die Vorstellungen der Westmächte ablehnend. 'Nichts konnte Lord Palmerston erwünschter kommen, denn nun hatte er Grund, es zu immer größerer Spannung, vielleicht gar zum Bruche zu treiben. In Frankreich allerdings fühlte man sich von dem Gange der Dinge unangenehm berührt, man suchte England zu beschwichtigen,