Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den /rauksorter Nachrichten als Extrabeilage.
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 250» Dienstag den 21. October 1856.
Aeberblicke Der Greigniffe im Gebiete Der politischeK N«d MaterieZe« JWtsreUen.
Frankfurt, den 21. October. (Credit und Geld). Es gibt in unseren gegenwärtigen Verhältnissen zwei Hauptmittel, um den Austausch der Waare und Produkte hermstellen; diese sind das Geld und der Credit. Wenn man ein Produkt in seinen Besitz zu bringen, zu kaufen wünscht, so bezahlt man entweder den Werth desselben in Geld, das heißt in dem einmal angenommenen allgemeinen Tauschmittel, oder man verspricht diese Zahlung zu einem künftigen Zeitpunkt. Ob sich der Verkäufer der Waare statt einer gegenwärtigen Zahlung mit der Wahrscheinlichkeit einer künftigen begnügt, das hängt von den persönlichen Verhältnissen des Schuldners ab, nach welchen eben die Wahrscheinlichkeit der künftigen Zahlung bestimmt werden muß. Der Credit al o ist immer persönlich; bei einem Kaus auf Credit kommt es immer auf die Persönlichkeit des Käufers an, während bei einem Kaufe gegen Baarzahlung die erlegte Summe an die Stelle der Person tritt, und es ganz gleichgültig ist, wer dieselbe bezahlt hat. Der Credit ist alw weiter nichts, als das Geld der Zukunft, eine Anticipaiion künftigen Geldbesitzes, und daher ist er der Ersatz für jeden augenblicklichen Geldmangel. Der einzige Werth des Geldes besteht in seinem Umlauf, je öfter ein Geldstück aus einer Hand in die andere geht, desto mehr Zahlungen können mit ihm im Verkehr geleistet, mit desto geringerem Münzvorrathe kann der ganze Güterumlauf in einem Lande unterhalten werden. Die Frage, wie die Geldmenge eines Volkes sich zudem gesummten Vermögen od r Einkommen desselben verhalten müsse, läßt sich absolut nicht beantworten, sondern richtet sich ganz darnach, wie schnell oder langsam die Geldstücke circuliren. Verschiedene Schriftsteller nahmen verschiedene Verhältnißzahlen an, V«, */io, Vro und 1 so; bestimmt aber läßt sich im Allgemeinen darüber wohl nichts feststellen, so lange man nicht die Durchschnittszahl der Umläufe eines Geldstücks während eines Jahres weiß. So viel aber steht fest, daß der Betrag der wirklichen Geldmenge in einem Staate immer nur sehr gering ist im Vergleich mit seinem E »kommen. So schätzte man im Jahre 1825 die ganze Gold- und Silbermünze des reichen Großbritanniens nur auf 7 Mill. Psd. St. Es folgt aus dem Gesagten ganz natürlich, daß der Geldbedarf eines Volkes durchaus nicht mit der Größe seines Einkommens zugleich steigen muß. Ja sogar kann sich derselbe vermindern, wenn mit den Fortschritten deS Wohlstandes zugleich die Umlaufegeschwindigkeit der Geldstücke zunimmt. Ein Staat darf daher niemals befürchten, durch Abnahme feines Metallgeldes Schaden zu leiden, so lange er dem Auslande