Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Franksutt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ dec hiesigen Staatsbehörden, und den /rMfnrtrr Nachrichten als Extrabeilage
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(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 248. Samstag den 18. October 1856.
AeberbLLcke der Ereignisse im WedLets der poliLLfchs« und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 18, October. Ein diesiges Blatt hat kürzlich nach einer auswärtigen Zeitung einen Artikel gegen das System der Einzelhaft gebracht, dessen Hauptgründe einem Roman entlehnt waren! ES würde sich kaum verlohnen, gegen so stumpfe Waffen zu kämpfen, wenn wir nicht wünschten, daß über eine Frage, welche in kurzer Zeit uns nahe berühren wird, möglichst klare Ansichten herrschen möchten. Wir wollen daher heute versuchen, einige der gewöhnlichsten Einwürfe gegen die Einzelhaft zu beleuchten. Einer der häufigsten Vorwürfe ist die zu große Kostspieligkeit dieses Systems. Bei einer so wichtigen Sache, wie die richtigste Handhabung der öff ntlichen Gerechtigkeit und der Schutz der Gesammtheit gegen die Verbrecher ist, bei ein.r so bet» ligen Sache, wie die Möglichkeit der Wiederaufrichtung und moralischen Besserung von in Laster und Verbrechen versunkenen Mitmenschen, sollte-dieser Einwurf überhaupt nicht mehr gegen diese oder jene Haftweise vorgebracht werden, sobald sie sonst die zweckentsprechendste ist. Der Einwurf ist aber auch unrichtig in sich. Jedes andere Systems kostet kaum viel weniger, aber es leistet bei weitem nicht so viel zur Verhütung der Rückfälle, ein Umstand, der bei der Zahl von 20—25,000" jährlich aus den deutschen Strafanstalten zu entlassenden Verbrechern schwer genug ins Gewicht fällt. Mit der finanziellen Seite eng zusammen hängt der zweite Vorwurf, daß die Arbeit der Sträflinge, wo sie einzeln arbeiten, nicht so einträglich sei, als die in gemeinsamen Sälen. Auch hier ist zunächst zu erwiedern, daß ein Besserung sh auS keine Fabrik ist, d. h., daß die Beschäftigung den Zweck hat, ein Bildungsmittel für den Gefangenen und ein Lebensunterhalt nach seiner Entlassung zu sein, nicht aber, ihn während der Haft zu ernähren. Wo dieS geschehen ist, oder wo gar nur Ueberschüsse zu Stande kommen, da ist die ArbeiiS« theilung auf Kosten des Hauptzweckes der Anstalt betrieben worden. Uebrigens wirkt, erfahrungsgemäß, die Einzelhaft günstig auf die Arbeitslust und Geschicklichkeit; auch gibt eS 78 Beschäftigungen, welche ohne Beihülfe eines anderen Arbeiters betri den werden können. In Bruchsal haben 367 Gefangene in den letzten Jahren einen jährlichen Nettogewinn von 24,165 ft erzielt. Auch den Elementarunterricht erschwert die Einzelhaft nicht, vielmehr werden in Bruchsal, wo er in einem besonderen, mit Einzelstühlen versehenen Schulzimmer ertheilt wird, ungewöhnlich rasche Fortschritte gemacht. Was die moralische Einwirkung des Gottesdienstes betrifft, so liegt auf der Hand, daß das Zusammensein bei und nach demselben nur ungünstig auf die Einzelnen wirken