Zutelligevz-Blatt der freien Stadt /raaksnü, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Mnkfnrter Nachrichten als Extrabeilage.
(Erpeditionr am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 244. Dienstag den 14. October 1856,
Ueberblicke der (Ereignisse im Gebiete der politische« und Materielle« Interesse«.
Frankfurt, den 14. October. Dem Zollverein werden fortwährend von beiden entgegengesetzten Seiten, aus dem Lager der Schutzzöllner sowohl, wie der absoluten Freihändler, Vorwürfe über die Stagnation gemacht, welche sich in der Resultatlosigkeit der Generalconferenzen ausspricht. Auch die zu Eisenach ist nicht im Stande gewesen, den gewünschten Kompromiß zu schließen. Es ist nicht gelungen, das finanzielle Bedürfniß der Regierungen durch Erhöhung der Tabaks steuer zu befriedigen, und dafür das für den Landbau und Gewerbebetrieb so unendlich wichtige Eisen als Roheisen frei zu geben und in den übrigen Sorten im Eingangszoll herabzusetzen. Die Ursache jener Stagnation: die Begegnung zweier Strömungen ist seit der Zollvereinscrisis in Folge der Darmstädter Koalition von 1852 kein Geheimniß mehr, indem diese den Antagonismus zwischen Preußen, Braunschweig, Thüringen und Frankfurt, wozu noch Hannover und Oldenburg gekommen sind, einerseits, und den übrigen Zollvereinsstaaten andererseits offen gelegt haben. Wenngleich die Verhältnisse des Zollvereins bis zum Jahre 1864 in jetziger Weise vertragsmäßig fortdauern, so ist doch jetzt schon in Norddeutschland hie und da der Wunsch ausgesprochen worden, das Verhältniß zu lösen. Schon 1852 verlangten manche freihändlerische Stimmen, Preußen solle den südh. uttchen Staaten keine Concession machen, sondern zu den Grundsätzen von 18!8 welche es, den schutzzöllnerischen Tendenzen des Südens weichend, Schritt vor Schritt aufgegeben, zurückkehren und den Beweis führen, daß der Zollverein Preußens bedürfe, Preußen aber nicht den Zollverein. Gegenwärtig ist diese Ansicht in Folge des Aufschwungs von Handel und Erwerb in der Monarchie, besonders in Rheinland und Westphalen, Oberschlesien und der Gegend von Magdeburg, um so berechtigter. Die preußische Industrie ist gegenwärtig so entwickelt, daß sie auch ohne Schutzzölle mit jeder andern in die Schranken treten und den andern ErwerbSzweigen den Segen des Freihandels zukommen lassen kann. Die im Jahre 1860 vertragsmäßig anzubahnende Handelseinigung mit Oesterreich läßt neue Bedenken in dieser Hinsicht aufkommen. Oesterreich hat nicht aus Grundsatz, sondern auS Noth mit dem Prohibitiv- und Schutzsystem gebrochen. Ein Mann, Bruck, ist wesentlich der Träger deS jetzigen freieren Hande'ssystemS, das in den bequemen Gewohnheiten der Industriellen, die ihre Vertreter im höchsten Adel finden, sowie in dem Reichsraihe mächtige Gegner hat. Mit ihm steht und fällt sein Werk, das er mühsam gegen die Gegner jeder freien Bewegung in Handel und Gewerbe auf-