Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem AWtrdtatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Fraskfsrter Nachrichten als Extrabeilage.
-—«»-ML8S«»—----
(Erptdrüonl am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 242, Samstag den 11. October 1856.
UeLerbLLMs der Greègnifse iw Gebiete der politisch erz And Matemeßlen ZutereGe«.
Frankfurt, den 11. October. DaS kleine slavische Fürstenthum Montenegro, einer der kleinsten selbstständigen Staaten Europas, zieht wieder, wie vor dem Beginne der orientalischen Verwickelung, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, so daß eS beinahe den Anschein gewinnt, als ob die orientalische Frage, die allerdings jetzt keine Frage mehr ist, zu ihrem Anfänge zurückkehren wollte. Wieder, wie damals, rüsten sich die Türken, daS kleine Ländchen, daS mit seiner unabhängigen christlichen Bevölkerung wie ein Keil zwischen die türkischen Provinzen Bosnien, Herzegowina und Ober-Albanien Hineingetrieben ist, mit HeereSmacht zu überziehen; und wieder ist die europäische Diplomatie damit beschäftigt, durch ihre Dazwischenkunft die Entscheidung der Waffen zu verhindern. Die Montenegriner, oder wie sie sich selbst nennen, die Bewohner des schwarzen Berges (Czerna gora) — wir haben keinen Grund, dies zu verschweigen, — verdienen, sobald wir den Maßstab europäischer Civilisation an diesen wilden Gebirgsstamm legen, keinesweges daS Interesse, welches ihnen gezeigt wird. Sie sind von jeher Räuber gewesen und sind noch heute Räuber, die weder Frieden noch Vertrag kennen, da sie ihren höchsten Ruhm darein setzen, Streifzüge in das Gebiet ihrer türkischen Nachbarn zu unternehmen, von denen sie mit Beute und — in alttürkischer Art — mit den abgeschnittenen Köpfen ihrer Feinde beladen, in ihr rauheS Gebirgsland zurückkehren. „ Die Eristenz eines solchen Volkes in Europa ist eine Anomalie, die nur dadurch erklärt wird, daß auch die Existenz deö türkischen Reiches, in dem ihr kleines Ländchen eine Enclave bildet, ungeachtet der neuerdings durch den Pariser Frieden erfolgten förmlichen Aufnahme desselben in daS europäische Staatensystem eine Anomalie ist. So lange eS in Bosnien und der Herzegowina Uskoken und Haiduken gibt, d. h. tapfere Männer, die sich der unerträglichen türkischen Unterdrückung nicht anders zu erwehren wissen, als indem sie Hab und Gut und daS, was ihnen daS Theuerste ist, die Familie, im Stiche lassen, ihre Zuflucht in die Wälder nehmen und das Räuberhandwerk treiben, darf man es den Bewohnern des schwarzen BergeS nicht all zu sehr übel nehmen, wenn auch sie einen ähnlichen Krieg gegen die Unholde führen. DaS, was ihnen außerdem zur Entschuldigung dient, ist, daß ihr Ländchen, welches in einem Umfange von nicht mehr als etwa 60 Geviertmeilen 120,000 Seelen zählt, zum geringsten Theile für die Cultur fähig und daher außer Stand ist, seine Bevölkerung zu ernähren.
Eme politische Bedeutung hatte Montenegro nur, so lange Rußland die Schutzherr-