Jntelligenz-Blatt
-er freien Stadt Frankfurt , verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage.
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(Erpeditton: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 240. Donnerstag den 9. October 1856.
Neberblicke der Ereignisse iw Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 9. Oktober. Einer der ersten Schritte unserer neuen Regierung wird die Durchführung der Gefängnißreform sein müssen. Die freie Stadt Frankfurt war der erste Staat in Deutschland, in welchem zum Behuf einer totalen Umgestaltung des GefängnißwesenS von der Negierung die Einführung eines der bekannten Pönitentiarsysteme in Borschlag gebracht worden ist. Schon 1835 und 1836 hatte die Mangelhaftigkeit der vorhandenen Gefängnisse die ständische Bürgerrepräsentation und die gesetzgebende Versammlung veranlaßt, dem Senate den Wunsch auszusprechen, er möchte einen das gesammte Gefängnißwefen umfassenden, die seitherigen Mißstände beseitigenden Plan ausarbeiten und die Einleitungen zur recht baldigen Erbauung eines Gefängnißgebäudes treffen lassen, welches zur Aufnahme aller Gefangenen geeignet wäre. In dem 1840 erstattete« Berichte der Senatscommission war die Nothwendigkeit einer Reform anerkannt und der Bau eines allgemeinen Gefangenhauses auf dem Klapper- feld mit Hinzuziehung des Arbeitshauses, unter Zugrundelegung der Risse des Muster- gefängnisses bei London, beantragt. Die Sache fand indeß bei der gesetzgebenden Versammlung so vielen Widerspruch (das Material findet sich vollständig in den Jahrbüchern für Gefängnißkunde und Besserungsanstalten, von Dr. N. H. Julius, HofgerichtSrath Nöllner und Dr. G. Barren trapp, vierten Bandes erstes Heft. 1844), daß uns ein anderer deutscher Staat in consequenter Durchführung der Einzelhaft zuvorkam. Das große Zcllengefängniß in Bruchsal in Baden, in welchem das System der Einzelhaft zwar mit aller Consequenz, aber zugleich mit der größten Umsicht angewendet wird, hat von Jahr zu Jahr in höherem Grade nicht blos in Baden selbst, sondern auch im übrigen Deutschland und im Auslande allgemeine Anerkennung gefunden. Bei der Ausführung des Jsolirsystems, wie sie dort stattfindet und sich vervollkommnet, schwinden immer mehr die Vorurtheile gegen die Einzelhaft. Sehr wichtig für Kenntniß der Einrichtungen desselben ist daS Buch: „Die Einzelhaft im neuen Männerzuchihause zu Bruchsal", von dem Director desselben, Dr. med. I. Fueßlin, und in gewisser Beziehung auch „Die Stimme eines Gefangenen", von dem drei Jahre wegen politischer Vergehen in Bruchsal verhafteten ®. F. Schlatter. Auch in Preußen blieb die Einführung des Einzelhaftsystems, welche schon seit einer Reihe von Jahren beabsichtigt wurde, theils durch theoretische Bedenken, theils durch äußere Umstände hinausgeschoben. Die in Bruchsal gemachten Erfahrungen sind nicht ohne Einfluß geblieben auf den neuerlichen Ent-