ZnteSligenz-Blatt der freien Stadt Kanksurt, ^^. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Franksarter Nachrichten als Extrabeilage. 8 i
---**®®@o*--- (Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
JS 194. Samstag, den 16. August 1856.
VeLerbliSe her Ereignisse im Webieèe der polLiLsche« und materiellen Interessen. Die Hoffnungen, welche die Republikaner Europas früher auf Amerika setzten, find im Angesichte der wirklichen Zustände de«
Lande« verMwunden. Gustav Struve.
Frankfurt, 16. Aug. Es war wohl mancher Leser gespannt darauf, wie ein Kämpfer für die deutsche Republik, wie Gustav Struve, über die amerikanische Republik urtheilen würde, nachdem er durch Jahre langen Aufenthalt die Wirklichkeit statt des Phantasiebildes kennen gelernt. Seine Schrift: „Die Union vor dem Richterstuhle des gesunden Menschenverstandes", der wir obiges Motto (S. 119) entnommen, ist zwar schon 1855 in Neu- Nork erschienen, aber erst jetzt uns zugekommen. Er zieht darin in einer höchst freimüthigen Weise gegen das Sclavenwesen, gegen den Puritanismus und den Temperanz- Mang, gegen den Nativismus und die allgemeine Corruption zu Felde. Wir wollen zur Charakterisirung des Tones einige bezeichnende Stellen ausheben: „Sehr mangelhaft ist das Strafrecht. Im Süden herrscht noch der Stock und der Pranger. Das Eigenthum wird aller Orten mehr geschützt, als Leben und Gesunbheit der Menschen, und da das System der Bürgschaft (bail) nicht nach den Vermögensunzständen deS Angeschuldig- ten, sondern nur nach der Größe des in Rede stehenden Verbrechens bemessen wird, so kann sich der Reiche den meisten Strafen durch ein für ihn geringes Geldopfer entziehen. * Die Klagen über die Straflosigkeit reicher Verbrecher, sind daher in keinem Lande gegründeter, als hier. Noch schlimmer ist aber die so häufig vorkommende Freisprechung notorischer Verbrecher oder deren Entkommen auch ohne Bürgschaft." Es folgt nun aus amerikanischen Zeitungen eine lange Reihe solcher FMe, denen aus den allerletzten Tagen die Freisprechung Herbert'S, des Senators von Kalifornien, der einen Kellner ermordete, beizufügen ist. Ueber die Finanzen sagt Struve Folgendes: „Wenn die Vereinigten Staaten eine Großmacht werden wollen, welche im Rathe der Nationen Europas ein Wort mitzusprechen hat, so müssen sie der Centralgewalt viel bedeutendere Mittel zur Verfügung stellen, als sie dermalen besitzt, und eine weit gewissenhaftere Verwaltung, als die jetzige ist, muß eingeführt werden, wenn die Gelder des Landes nicht nutzlos zerrinnen sollen". Nachdem Struve sich scharf gegen die EroberungS- und AnnerationS- Politik der Bereinigten Staaten ausgesprochen, fährt er fort: „Die Amerikaner sind mcht einmal geneigt, diejenigen Opfer zu bringen, welche eine tüchtige Vertretung an