Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Fraaksurttr Nachrichten als Extrabeilage.
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(Erpeditisnr am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 188. Samstag- den 9. August 1856.
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NeberMâ hex Greignisfe im WebLete der politischem und Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 9. August. Schon seit längeren Jahren, seitdem der Waaren^ Großhandel immer mehr von Frankfurt sich hinweggezogen hat, sind Vorschläge gemacht worden, diese Erwerbsquelle durch Anlegung von Fabriken zu ersetzen. In der letzten Zeit sind mehrere gelungene Versuche der Art gemacht worden, und es ist noch Raum für viele Anstalten vorhanden, da Frankfurt in seinen Capitalien, technischen und merkantilen Kapacitäten, in seinen Eisenbahn- und Wafferverbindungen, dem eigenen Verbrauche und dem der Fremden und in dem Ueberflusse von billigen Arbeitskräften aus Nassau und beiden Hessen, besonders dem Taunus und Odenwald, alle Bedingungen dazu vereinigen würde, wenn nicht die bestehenden Zunftverhältnisse vielfach hemmend einwirkten. Dennoch bestehen hier mancherlei Borurtheile gegen Fabrikwesen, welche cheils durch die früheren Mißbräuche in England, theils durch die vormärzliche socialistische Literatur genährt worden sind. Die Schattenseiten des Fabrikwesens lassen sich in folgende fünf Punkte zusammenfassen: 1) Die Beschränkung auf dieselbe einförmige Thätigkeit stumpft den menschlichen Geist ab. 2) Da solche kleine mechanische Thätigkeiten auch von Kindern verrichtet werden können, so werden diese vor ihrer körperlichen und geistigen Entwickelung zur Arbeit herangezogen und gelangen so weder zu einer höheren Ausbildung, noch zum Genusse des Familienlebens. 3) Die Abhängigkeit des Fabrikarbeiters von dem Fabrikherrn macht ihn zum Sklaven desselben, er leidet am meisten unter den Gefahren der Productionskrisen, und im Alter hat er jedenfalls ein trauriges Loos. 4) Die Vereinigung vieler Arbeiter beiderlei Geschlechts in denselben Räumen führt zunächst zur Unstttlichkeit unter den Geschlechtern, sodann zu leichtsinnigen Ehen und zahlreichen Kindern. Die so Heranwachsende Generation, in Elend geboren, in Elend erzogen, kommt wieder in die Fabrik; eS vermehrt sich die Anzahl geistig und . körperlich niedergedrückter, schwacher und armer Menschen. 5) Die Arbeit in den Fabriken ist ungesund durch die eingeschlossene Luft, wobei noch manche Schädlichkeiten nach den verschiedenen Erwerbszweigen kommen. Die meisten sterben zwischen 40—50 Jahren.
Gegen diese Vorwürfe, welche die Einwendungen, die dem Fabrikwesen oder wenigstens einzelnen Zweigen desselben eigenthümlich sind, mit solchen Uebelständen zusammen-