Intelligenz-Blatt der freien Stadt /rinkfnrt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats-
behörden, und den /rankfurter Nachrichttu als Extrabeilage. [ ’^^®1
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 186, Donnerstags den 7. August 1856.
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WehsrhLLâ der GesigntUe im Gebiete der politischem und MÄterèeKen Interessen.
Frankfurt, den 7. August. Bei dem wichtigen Standpunkte, welchen gegenwärtig die Lebensmittelfrage einnimmt, dürfte eS nicht uninteressant sein, von einem Aufsatze Kenntniß zu nehmen, in welchem eine Berliner officiöse Zeitung, die „Zeit", die des- fallsige Sachlage klar und allgemein verständlich zur Anschauung bringt. Die „Zeit" spricht sich nämlich folgendermaßen aus: „Die Ernteberichte nicht blos aus den preußischen Provinzen, sondern von überall her lauten diesmal so günstig, wie möglich. Zum Theil schreibt man, daß eine so ergiebige Ernte, wie die jetzt in Aussicht stehende, seit zwanzig Jahren nicht erlebt worden sèi. Auch in Amerika steht mindestens ein gleich günstiger Ernteertrag bevor, wie in Europa, und daS seit acht Tagen eingetretene ganz vorzügliche Erntewetter berechtigt zu der Annahme, daß die bestehenden Hoffnungen durch keinen Zwischenfall werden getrübt werden. ES gilt dies nicht blos von der Körnerfrucht, sondern auch von den Kartoffeln, und darauf wird ein großes Gewicht zu legen sein. Denn ob die Getreideernte eine noch so gesegnete sei, so bleibt sie, wenigstens was Deutschland' und den Norden betrifft, außer Stande, das tägliche Brod billiger zu machen, so lange die Kartoffel, wie dies seit sieben Jahren der Fall war, keinen das Bedürfniß auch nur annähernd befriedigenden Ertrag liefert. Eine ungenügende Kartoffelernte macht diese Frucht theuer; theuere Kartoffeln aber führen wieder zu einer vergrößerten Brodconsnmtion. Indem nun ein Nahrungsmittel das andere zu ergänzen hat, hält diese Ausgleichung selbstredend die Preise auf der einen Seite wie auf der andern in der Höhe. Zwar gehen von da und dort Meldungen ein, daß sich die Kartoffelkrankheit wieder gezeigt habe, indessen bezieht sich dies bis jetzt nur auf einzelne Gegenden und auch dort wieder vorzugsweise auf die Frühkartoffeln, während im Allgemeinen der Stand der Kartoffeln gleichfalls ein durchaus günstiger ist, und so weit sich zur Zeit übersehen läßt, wenigstens den Ertrag einer Mittelernte verspricht. Wenn nun mit dieser sehr beruhigenden Cerealien-Perspective die Operationen der Getreidebörse allerdings in einem schneidenden Widerspruch stehen, so befindet man sich da einer Thatsache gegenüber, vor der man ehrlich gestehen muß, daß der gewöhnliche Verstand sie nicht begreift. Das ist schon wahr, daß aus dem vergangenen Jahre keine Vorräthe