Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^^
verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage. 1
---weefS®»*--- (Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 166. Dienstag, den 15. Zuli 1856.
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Aeberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 15. Juli. Die in Berlin im Entstehen begriffene Waaren-Creditge- sellschaft verdient schon ihres Zweckes wegen, bei dem Umsätze aller Werthe eine dem Tausch ähnliche regelmäßige kaufmännische Operation einzuführen, eine ganz besondere Beachtung in der Presse. Nichts kommt in den verschiedenen Zweigen des geschäftlichen Verkehrs häufiger vor, als Mangel an Geld, in Folge des Mißverhältnisses zwischen Arbeit und Absatz. Der Grund dieser Erscheinung liegt in dem durch die neuen Com- munikationsmittel herbeigeführten eigenthümlichen Character des heutigen Geschäftslebens. Durch den erleichterten Verkehr bieten sich den großen Capitalien fort und fort Gelegenheiten zu großartigen rentabeln Anlagen. Dadurch aber entziehen sie sich immer mehr der Verwendung in den kleineren Geschäftskreisen. Der Umstand, daß das Geldbedürfniß der zahllosen kleinen Geschäftskreise nicht mehr auf dem alten Wege durch einzelne Capitalisten befriedigt wurde, führte auf die modernen Creditanstalten, die sich in demselben Grade mehrten, als die großen Capitalien nur großartigen Unternehmungen zu- flossen. Die Geld-Creditanstalten theilen aber leider auch den Zug der großen Capitalien; sie wenden sich vorzugsweise den reichen und wohlhabenden Classen zu und lassen den mittlern und kleinern Kaufmannsstand, sowie die soliden thätigen Handwerker im Stiche. Diese können sich oft, trotz des Besitzes werthvoller Arbeitsvorräthe, an profitabel» Unternehmungen nicht betheiligen, weil das dazu nöthige Capital nicht aufzutreiben ist. Dadurch verlieren viele betriebsame Leute ihre Selbstständigkeit und werden Lohnarbeiter, Handlanger der Maschinen oder gar Pensionäre der Armenanstalten. In Folge des jetzigen Geldsystems begegnen wir gleichzeitig auf der einen Seite riesigen geschäftlichen Unternehmungen, auf der andern der drückendsten Geschäftsstille und sehen als Folge davon dort ein schnelles Anwachsen von Vermögen bei Einzelnen, hier aber ein ebenso schnelles Verarmen bei der Masse. Diesem Uebelstande will die Waaren - Creditanstalt dadurch abhelfen, daß sie alle vorhandenen realen und realisirbaren Werthe in Thätigkeit und Circulation zu setzen und dadurch dem ganzen geschäftlichen Leben für die Abwickelung der Geschäfte eine größere Sicherheit zu geben sucht, als sie bei dem bisherigen Creditsysteme möglich ist. Wenn die bisherigen CirculationSmittel wesentlich auf dem Vertrauen beruhen, welches in die Zahlungs-