Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats-
behörden, und den Frankfurter Nachrichten als. Extrabeilage. I )
(Expedition: am Geifipförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 162 Donnerstag, den 10. Juli 1856.
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Frankfurt, 10. Juli. Die Rekrutirung der türkischen Armee auch aus den christlichen Unterthanen der Pforte stößt nach den neuesten Nachrichten aus Konstantinopel auf Schwierigkeiten, die als unüberwindlich erscheinen, wenn den Christen auch das Avancement zu Offizieren gestattet wird. Der immer noch an den Nachwehen der Krankheit leidende türkische Staatsrath ist in seiner fünften Sitzung über diesen Gegenstand genau zu demselben Resultat gekommen, daß die Christen in der Türkei von dem Augenblick an, wo sie die Waffen führen dürfen, auch die Herren ihrer bisherigen Unterdrücker werden. Der Staatsrath meint, dass cs doch wohl besser sei, wenn die Christen auch weiterhin den Haradsch bezahlten und den Türken das Recht der Waffen ließen, also das gerade Gegentheil von dem, was die civilisirtesten Nationen des Erdballs als für die Türkei zuträglich erkannt. Wie bald folgen den Phantasiegebilden der Diplomatie die Enttäuschungen, und wie viel stärker werden sie noch erfolgen, wenn erst der letzte Soldat der rettenden Mächte den Boden der Türkei verlassen haben wird. Nie kann, nie wird ein türkischer Staatsmann, der es ehrlich mit seinem Herrn, seiner religiösen Ueberzeugung und seinem Wunsche für das Wohl Feiner Heimath meint, seine Stimme zu einer Einrichtung geben können, die sicherer als russische und alliirte Heere den Islam nach Asien zurückwerfen muß. Mit ganz richtigem Erkennen hat der Divan das Anerbieten Englands zurückgewiesen, die türkische Fremdenlegion unter englischen Offizieren fortbestehen zu lassen, und Lord Stuart de Redcliffe, sonst nicht besonders nachgiebig und umgänglich für türkische Minister, hat die Richtigkeit des Ablehnungsgrundes zugestanden. Wie viel anders und wie viel gefährlicher für die türkische Herrschaft in dem alten griechischen Kaiserthum würde aber eine Armee sein, die in ihrer Mehrzahl aus Christen und namentlich christlichen Offizieren besteht. Hier ist die Staats-Raison so überwiegend und gebieterisch , daß selbst die sonst gewiß in allen Stücken gerechtfertigte Sympathie für die unterdrückten Glaubensgenossen ihre zwingende Gewalt zugeben muß, wenn man eben nach Realitäten und nicht nach philanthropischen Aufwallungen urtheilen will. So schwindet nach und nach das Gewebe von Täuschungen, welches seit drei Jahren um die orientalische Angelegenheit verbreitet worden ist. Die rettenden Mächte werden noch