Einzelbild herunterladen
 

Zntelligenz-Blatl der freies Stet /reikfirt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden , und den Frankfurter Nachrichte« als Extrabeilage. ß "

----*»*@®@eoei----

(Expedition; am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

M 136. Dienstag, den 10. Juni 1856.

Abonnementspreis für'S halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags.

Einrückungsgrbühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

UederLlrä her Greigtsifse im Webiete der politischen nnh Materiellen Interessen.

Frankfurt, den 10. Juni. (Die Zollfrage). Der Streit, ob die Zolleini­gung mit Oesterreich für den Zollverein zuträglich sei oder nicht, wird bereits mit einer Bitterkeit geführt, welche weder in der Dringlichkeit der Angelegenheit noch in ihrer un­politischen Natur überhaupt eine Begründung findet. Vor Allem hat man cs als ein Verbrechen hinstellen wollen, wenn die Angelegenheit einer prüfenden Betrachtung unter­zogen wurde, da Preußen sich für das Jahr 1860 bereits gebunden habe. Es zeugt diese Ansicht von gänzlich unrichtiger Auffassung der Sachlage, denn der Art. 25 dès Vertrags vom 25. Februar 1853 spricht die Möglichkeit eines Nichtzustandekommens der Handelseinigung sogar mit klaren Worten aus in der folgenden Fassung: „Es werden 1860 Commissäre züsammentretcn, um über eine Zolleinigung, oder falls dieselbe noch nicht zu Stande gebracht werden könnte, über weiter (als jetzt) gehende Derkehrserleich- terungen zu unterhandeln". Eine zweite Unterstellung, womit man die Angelegenheit, welche eine eben so ruhige Prüfung bedarf, als die ist, womit zwei Kaufleute, die in Compagnie treten wollen, die Vor- und Nachtheile erwägen, zu trüben versucht, ist die Unterstellung, als ob die öffentliche Meinung diese Einigung herbeisehne. Im Zollverein berechtigen die Briefe aus Lüneburg (?) und Burtehude (?), welche zuweilen gedruckt zu lesen sind, noch nicht zu einer solchen Unterstellung, und in Oester­reich sprechen gerade die Vertreter des Handelsstandes sich gegen die Zolleinigung aus. Die ministerielle „Austria" berichtet in ihrem letzten Hefte von einem Commissions- bcricht der Wiener Handelskammer, welche sich dafür ausspricht, daß der bedräng­ten Gerberei durch Erhöhung des Ausfuhrzolles für rohe Felle und somit Verminderung des Exports der Rohwaare eine Hülfe gewährt werden möchte, die im Hinblick auf die mächtige Concurrenz der zollvereinsländischen Lederfabrikation nothwendig erscheine, und ferner von einer Commission, welche in Bezug auf eine etwaige Ermäßigung des Ein­fuhrzolles für s. g. englische Vorhangstoffe von 250 fl. auf 100 fl. pr. Ctr. zu berichten hatte, daß gestickte Waaren in der höheren Zollposition von 250 fl. auch künftighin ver­bleiben sollen, da die ausgebreitete Stick-Industrie in Böhmen, wenn auch die Einfuhr ausländischer Stickereien nicht bedeutend sei, in dem höheren Zollsatz immerhin manche