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Anteilige nz-BIatl der fme« Stadt Frankfurt,

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Franksarter Nachrichten als Extrabeilage. i

(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

M 132. Donnerstag, den 5. Juni 1856.

Abonnementspreis für'S halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebührenr 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Neberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 5. Juni. Seit einiger Zeit nimmt in einem Theile der Presse die „Politik des Credits" eine hervorragende Stelle ein. Wollte man jenen Stim­men vertrauen, so wäre das Universalmittel für alle sociale Leiden und Gebrechen der Gegenwart bereits gefunden; es wäre der Macht des Papiers die Mission über­tragen, das goldene Zeitalter herbeizuführen. Wie verlockend aber auch die Ver­sprechungen klingen, welche diese Adepten der neuen Methode „Gold zu machen" Tag aus, Tag ein ausstreuen, desto mehr wird es geboten sein, diesen Versprechungen gegen. Über Vorsicht und Nüchternheit zu bewahren. Es ist leicht, Luftschlösser zu bauen, aber es ist schwer, in diesen Phantasieräumen zu wohnen. Es fragt sich, ob den „Tagen von Aranjuez" nicht eine „journée des düpes“ folgen wird — ob nicht die Propheten des neuen Golkonda weniger sich selbst, als nur die Anderen täuschen? Denn die Anderen, waS sind ihnen die Anderen? Alle die großen Worte von Menschenwohl und Bürgerglück — was sind sie anders, als eine mit glänzenden Farben bemalte Äirappe, welche den eigenen Vortheil verhüllt. Sobald es dieser eigene Vortheil verlangt, wer­fen die klugen Steuerleute die fremden Güter über Bord und suchen mit ihren Schätzen den Hafen zu gewinnen. Ein augenfälliger Beweis dafür ist jetzt das in der „Ostd. Post" vom 1. Juni scharf getadelte Benehmen der Leiter der französisch-österreichischen Eisenbahngesellschaft, welche auf eine Capitalisirung des ihnen zugeftcherten Antheils von 10 pCt. des Reingewinnes angetragen und dieselbe erlangt haben. Ihre Freunde, wo­runter Herr Warrens, haben der Generalversammlung zwar dargelegt, daß die Ein­künfte der Gesellschaft noch steigen müßten, die Capitalisirung nach dem heutigen Maß­stabe also ein Gewinn für die Gesellschaft sei; Andere sahen in diesem Schritte der Gründer nur ein voreiliges Verlassen eines Unternehmens, bei dem zu stehen sie eine gewisse moralische Verpflichtung hätten, indem das Vertrauen auf ihre Namen das Publi­kum zur Betheiligung bewogen. Eine genauere Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von Oberbehörden, zwischen dem engeren und weiteren Verwaltungsrath oder Aus­schuß und der eigentlichen Leitung wird überhaupt von dem beteiligten Publikum immer allgemeiner gemacht und ist ihm in seinem eigenen Interesse dringendst zu empfehlen.