Jntelligenz-Blatl
der freie» Stadt Makftrt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- W
Seßörden, und den Frasksarter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförèchen, Schlachthausgaffe 21.)
"H Dienstag, den 27. Mai ~ 1856.
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UeberblLSe der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 27. Mai. Gleich nach dem Bekanntwerden des Friedensschlusses ist zwar die neue Grenzlinie in Bessarabien schon bezeichnet worden, doch nach Orten, welche nur auf Specialkarten vorkommen. Wir glauben daher unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir sie nach den Orten angeben, welche sich auf der Karte: „Europäisches Rußland, südliches Blatt" des vielverbreiteten Stieler'- schen Handatlasses finden. Die Grenze verläßt den Pruth gegenüber dem Einflüsse des Sila, durchschneidet zunächst dem Ursprung des Jalpuchflusses die von Leowo nach Kichenew führende Landstraße, wendet sich südlich, dem Laufe des Jalpuch folgend, bis zu seiner Einmündung in den gleichnamigen See. Hier nimmt die Grenze eine östliche Richtung an, folgt dem Trajanswall bis da, wo die Heerstraße von Kilia nach Akerman ihn durchschneidet, und dann dieser Straße bis zum 46 Breitegrade, wo sie scharf südlich sich wendend, das Meer erreicht. Die von Rußland abgetretene Strecke beträgt 205 deutsche Geviertmeilen, d. h. Vs % des europäischen und V20 % des gesamm- ten russischen Reiches, ist fast so groß, wie das Erzherzogthum Oberösterreich oder der Regierungsbezirk Magdeburg. Die Zahl der Bewohner dieses Gebiets wird zu 180,000 angenommen. Von den 12 Städten Bessarabiens fallen 5 in diesen Theil, nämlich Tutschkow - Ismail mit 26,000, Reni mit 7300, Kilia mit 6400, Kagul mit 2700 und Leowo mit 1000 Bewohnern.
Von weittragender Bedeutung ist das Zurückziehen der russischen Grenze von der Donau in Beziehung auf Handel, Politik und Kriegführung. Ismail und Reni waren die Donauhäfen, welche in der unmittelbaren Theilnahme am Donauhandel eine nicht unbedeutende Rolle spielten. In politischer Beziehung scheint durch das Abrücken der russischen Grenze von der Donau ein Hauptanstoß in der orientalischen Frage entfernt zu sein; ob ganz beseitigt, oder blos in andere Hände gelegt, das muß die Zukunft lehren. Militärisch betrachtet hat Rußland unbedingt große Vortheile in seiner bisherigen Stellung zur Türkei aufgegeben. Die hohe Bedeutung der Donau für den russisch-türkischen Kriegsschauplatz ist immer anerkannt worden. Rußland. hatte seine Flotte im Hafen von Ismail und konnte bei allen Uebergangsversuchen ihrer thä-