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Intelligenz-Blatt ter freien Stadt Mskftrt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den /raskfarter Nilchrèchtrn als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 114. Donnerstag, den 15. Mai 1856.

AbonnementSpreis für'S halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags.

Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Keberblicke der WrergniM èm Gebiete der politrscheK mèd materiellen JrrLereMrr.

Frankfurt, den 15. Mai. Wir haben vor einiger Zeit die Opfer, welche der verflossene Krieg den einzelnen Mächten auferlegte, einer mehrfachen Betrachtung unter­zogen. Allein auch die Vortheile, welche sich aus demselben für jene Mächte und mehr noch für ganz Europa ergeben, verdienen nähere Beleuchtung. Frankreich zunächst hat unbedingt einen reichlichen Theil des Gewinnes eingeerntet. Ist dieser auch mehr mo­ralischer als realer Natur, so ist er darum nicht weniger bedeutend. Frankreich verdankt dem Kriege neuen und glänzenden Waffenruhm; die Schlachtfelder in der Krim gaben den Franzosen Gelegenheit, vor der ganzen Welt aufs Neue Proben ihrer militärischen Tüchtigkeit abzulegen. Aber auch seinen früheren politischen und diplomatischen Einfluß, den es seit der Restauration eingebüßt, hat Frankreich durch den Krieg wiedergewonnen. Napoleon's III. Regierung hat ihm seine alte europäische Machtstellung wiedergegeben und ihm namentlich im Orient neben England und Rußland einen gewichtigen Einfluß verschafft. Zudem hat der Kaiser der Franzosen alle Ursache, sich persönlich zu dem, waS er militärisch und diplomatisch erreicht, Glück zu wünschen. Er hat seinen Thron befestigt, indem er ihn mit Glanz und Ruhm umgab. Jedem persönlichen Ehrgeize Louis Napoleon's ist genug geschehen. Gekrönte Häupter haben ihn besucht und ihm gehul­digt, und was seinem Oheim nicht gelang, er vollbrachte es. Er demüthigte England, indem er es durch seine Politik vor der ganzen Welt seine Abhängigkeit von Frankreich zu documentiren zwang, indem er Britanniens militärische Unfähigkeit zur Folie für Frankreichs Kriegstüchtigkeit machte. Und fast ist es, als solle dem Neffen eine politische Combination von neuem und besser gelingen, welche einer der Lieblingsgedanken des ersten Napoleon war und welche dieser, aber nur auf kurze Zeit und unvollkommen rea- lisirte, denn der dritte Pariser Frieden eröffnet die Perspective auf die Möglichkeit einer Allianz zwischen den Beherrschern des west- und des osteuropäischen Kaiserreichs. Diese Allianz ist ein offenbarer Gewinn für ganz Europa, und es ist mehr als thörigt, daraus eine Gefahr für Deutschland ableiten zu wollen. Deutschland wird bei jedem Conflict zwischen Frankreich und Rußland den Schauplatz der endlichen Entscheidung abgeben, das lehrte uns noch die Erfahrung der jüngsten Tage, und das große Ver-