Zntelligenz-Blatt brr freies Stobt KMstrt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 113. Dienstag, den 13. Mai 1856.
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Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 13. Mai. Man trägt sich in diesem Augenblicke — sagt die „Zeit" — mit den merkwürdigsten Gerüchten über Rußland. Eine Reihe von innern Reformen, sagt man, sqll in Aussicht stehen und diese sollen außer der Armee zunächst die Volksbildung betreffen. Viele sprechen schon von Abschaffung der Censur und Gewährung der Preßfreiheit.
Rußland, darüber wird kein Zweifel bestehen, hat aus dem letzten Kriege viel gelernt. Die Regierung des verstorbenen Kaisers befolgte das System des Abschließens mit einer Strenge und Consequenz, wie man sie unter Alexander I. nicht kannte. Der energische, durch und durch russische Charakter des Kaisers Nikolaus spiegelte sich in seiner Regierung, in deren innern und äußern Politik wieder.
Man hat viel gesprochen von einem Testamente Peters des Großen und von dem Bestreben seines Nachfolgers auf dem Throne, dies Testament in Erfüllung zu bringen. Gewiß ist, daß Kaiser Nikolaus in Beziehung auf Rußlands Weltpolitik einen ganz bestimmten Plan verfolgte, zu dessen Verwirklichung ihm eine strenge Conservirung des alt-russischen Geistes nothwendig erscheinen mochte. Die Geschichte wird anzuerkennen haben, daß Rußland unter der Regierung des Kaisers Nikolaus groß und mächtig geworden ist, wie nie zuvor. Es war nicht weniger, als die Welt, was sich um Rußlands Freundschaft bewarb; sein Einfluß war überall sichtbar und vielfach ein entscheidender. Die speculative Politik gefiel sich darin, in dem urwüchsigen russichen Volke das Volk der Zukunft zu erblicken; es schien eine Zeitlang, als wolle der PanslaviSmus an die Pforten Europas klopfen. Wie einst die Deutschen der abendländischen Herrschaft der Römer ein Ende machten, so fürchtete man, daß der unausbleiblich erwartete große Stoß von Osten zunächst Deutschland treffen werde. Der letzte Krieg hat all diese Träume und all diese Befürchtungen wie Seifenblasen zerstört. Wir glauben nicht, daß Kaiser Nikolaus von dieser Welt geschieden ist, ohne ein Gefühl schmerzlicher Täuschung mit hinwegzunehmen. Seine so wohlgeschulten Armeen, die Soldaten mit fünfundzwanzigjähriger Dienstzeit mußten sich von den Wällen Silifirias hinter den Pruth zurückziehen und im Süden des Reiches hatten die Schiffe Englands und Frankreichs ein Heer gelandet, von dem sich das wichtige Scbastopol und die Flotte des schwarzen Meeres täglich mehr be-