Intelligenz Blatt der stein Stadt Madstrt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Fraukstrter Nachrichten als Extrabeilage. I D§K^W
(Erpedüion: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jg 94. Samstag, den 19. April 1856.
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lleberbliEe der Greigniffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 19. April. Die türkische Frage ist gelöst, wenigstens für den Augenblick; dagegen drangt sich die italienische immer mehr in den Vordergrund. Mag auch ihre Erwähnung in den Pariser Conferenzprotokollen verhindert sein; damit ist die Existenz dieser Frage selbst nicht ausgelöscht, und es sind die Schwierigkeiten nicht beseitigt, welche dieselbe in sich schließt. Die Diplomatie kann Thatsachen ignoriren, aber nicht sie ungeschehen machen. Diese Thatsachen liegen in den gegenwärtigen Zuständen der italienischen Halbinsel klar und unleugbar vor Jedermanns Augen. Parma ist in Belagerungszustand erklärt. Die massenhaften Verhaftungen, die Enbloc-Proce- duren, die Abführung auf bloßen Verdacht hin Eingezogener über die Landesgrenze nach Gratz, dazwischen Mordthaten und Hinrichtungen, haben eine Aufregung ohne Gleichen in dem heimgesuchten Landestheil wie in ganz Italien hervorgerufen. Die Grenzen Parmas und Toscanas gegen Sardinien sind von österreichischen Truppen besetzt. Somit hat die Spannung, welche seit längerer Zeit zwischen Oesterreich und Sardinien besteht, bereits einen militairischen Ausdruck erhalten. Kann man etwa glauben, daß Graf Cavour, wenn er von Paris nach Turin zurückkehrt, dies stillschweigend hinnehmen wird? Steht nicht Lord Palmerston hinter ihm, eifrig bemüht, den Funken des Zwistes zum Feuerbrand anzuschüren? Es ist natürlich, daß Oesterreich jede Einmischung der fremden Mächte in die Regelung der italienischen Verhältnisse zurückweist; es ist natürlich, daß die österreichische Krone die hohe Stelle einer Schutzmacht Italiens, welche es bisher eingenommen, nicht mit anderen Mächten theilen will. Die Schritte, welche es in diesem Sinne gethan hat, sind nur die Consequenzen der bisher befolgten Politik. Daß es aber diese Schritte gethan, beweist am schlagendsten, daß die ihm bisher zugestandene ausschließliche Leitung der italienischen Angelegenheiten ein Gegenstand der Con- troverse geworden ist. Wird es, um diesen Beruf aufrecht zu erhalten, auf den aufrichtigen Beistand Frankreichs, des Alliirten Englands, zählen können? oder wird Rußland etwa geneigt sein, an die Unterstützung gegen Ungarn auch die gegen Italien anzureihen ? Wir glauben diese Fragen kaum bejahen zu können. Es deuten vielmehr mehrfache Stimmen der österreichischen Presse darauf hin, daß Oesterreich bei einem etwa ent-