Intelligenz-Blatt der freien Stadt Kankfmi, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfarter VachrichttN âlS Extrabeilage;
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jg 88. Samstag, den 12. April 1856.
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Ueberblieke der Ereignisse int Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 12. April. Wenngleich es noch zweifelhaft ist, in wie weit der Pariser Congreß auf die Behandlung dèr italienischen Frägè eintreten wird, so ist es doch sicher, daß in vertraulichen Unterredungen die Denkschrift des Grafen Cavour vielfach den Gegenstand der Erörterung gebildet hat. Ueber den Inhalt der Denkschrift melden „Times": Cavour führt aus, Sardinien, habe sich auf die Seite der Freiheit gestellt und es gezieme den Westmächten - die Bestrebungen für die italienische Unabhängigkeit zu begünstigen. Dem Pabstè solle seine weltliche Macht, welche schön Dante, Macchiavelli und Alfieri als das Hinderniß der politischen Entwickelung Italiens erkannten, entzogen werden, seine Thätigkeit solle nur auf die geistlichen Angelegenheiten sich beschränken. Er weist auf die Zustände in Neapel hin, wo eine diplomatische Intervention der Westmächte zur Beseitigung der Unzufriedenheit nöthig sei; auf die wachsende Gährung in der Lombardei, wo die Amnestie nicht befriedigt habe, und macht Vorfchläge zur Bildung eines Zollvereins.
Dre Vorschläge Cavour's knüpfen nur an die seit 15 Iahten in Italien laut gewordenen Wünsche bezüglich politischer und materieller Neform an. In bèiden Rücksichten haben die Italiener die deutsche Föderation zum Muster genommen. Die politische Verbündung befürworteten: Gioberti, in seinem 1843 zu Brüssel erschienenen Buche: „Del primado morale e civile degl’ Italiani“, mit beth später von ihm aufgegebenen Zusatz einer Vermittlerrolle des Pabstes; außerdem Graf Mamiani und der Statthalter von Siena, Graf Serristori. Wenden wir uns nun zur materiellen Einigung, so wurde bereits 1841 in der „Landwirthschaftlichen Zeitschrift von Florenz" die Nothwendigkeit und leichte Durchführbarkeit eines italienischen Zollvereins angeregt. Gegen die letztere Annahme erhob sich der sardinische Staatsrath Graf Petitti und wies nach, daß Oesterreich seine italienischen Staaten von seinen übrigen Provinzen nicht durch