tm schwarzen Meere zu gefährden- Noch eine wirkliche Barrière gegen den künftigen Fortschritt dieser Macht zu errichten. Nur Oesterreich selber werde Vortheil von diesen Propositionen und einem darauf baürtcn Frieden haben. Mit Hülfe geschickter Minister werde Oesterreich kommerzielle und politische Vortheile erringen, wodurch es in Wahrheit zur einer Macht ersten RangeS steigen, von der eS jetzt nichts habe als den Namen. Schon die Ausdehnung Oesterreichs am adriatischen Meere sei den britischen Interessen gefährlich und der Vollbesitz der Donau werde in ganz Vorder-Asien dem englischen Handel eine deutsche Concurrenz eröffnen, die nicht unterschätzt werden dürfe und durch die beabsichtigte Neutralisirung des schwarzen Meeres nur erleichtert würde.
Von der andern Seite beabsichtigt Rußland, nach dem „Journal des DebatS", allen Forderungen, die in Folge des fünften Punktes ihm zugemuthet werden könnten, auf folgende Weise zu entgehen. Bekanntlich wird „den kriegführenden Mächten" durch diesen Punkt daS Recht vorbehalten, noch neue Bedingungen hinzuzufügen. Zu diesen kriegführenden Mächten rechnet Rußland auch sich selbst. Sobald nun etwa England fordert, die Alandsinseln sollten nicht befestigt werden, so wird Rußland ähnliche For. derungen an England stellen: es solle Helgoland nicht befestigen, es solle nur mit einer bestimmten Zahl Kriegsschiffe in der Ostsee erscheinen dürfen u. s. w.
Zu diesem Artikel gibt ein Pariser Correspondent der „Köln. Ztg." folgende Erläuterungen: „Der erwähnte Griffel der „DebatS", welcher höheren Ursprungs sein soll", schreibt der Correspondent, hat große Sensation erregt. Zugleich versichert man, daß schon jetzt ein herzliches Einverständniß zwischen dem Norden und dem halben Westen bestehe, und daß vor der Hand Oesterreich der dritte in dem neuen Bund sei. Man geht hierin soweit, zu behaupten, daß dieses Jahr noch Paris drei Kaiser in seinen Mauern sehen würde. Ich halte diese Gerüchte für nicht übertrieben, denn man muß wissen, daß LouiS Napoleon durch das englische Cabinet empfindlich verletzt worden ist. Louis Napoleon, wie ich Ihnen schon öfters schrieb, hat die alten Grenzen des Kaiserreichs noch nicht vergessen. Die Fortdauer des Krieges, die Abhängigkeit, in welcher England sich Frankreich gegenüber mehr oder weniger befindet, hatten den Kaiser mit den kühnsten Planen erfüllt. Die Unterhandlungen, die nach der Einnahme von Sebastopol mit Oesterreich wegen dessen activen Vorgehens gegen den Osten begonnen wurden, boten Louis Napoleon die günstige Gelegenheit dar, England seine Plane bekannt zu machen. Die betreffenden Unterhandlungen führten zu dem österreichischen Ultimatum. Als Louis Napoleon dasselbe vorgelegt wurde, erklärte er die darin enthaltenen Bedingungen für genügend; England war anderer Ansicht und erklärte dem Pariser Cabinette, daß die österreichischen Propositionen unannehmbar seien. Herr v. Persignp überreichte hierauf dem Cabinet von St. James eine Note, worin Loüis Napoleon sich bereit erklärte, den Krieg fortzuführen, daß derselbe jedoch unter anderen Bedingungen, als bisher geführt werden müsse, und bat sich zum Schluffe aus, ihm anzugeben, welche Entschädigungen man Frankreich nach Wiederherstellung des Friedens gewähren wollo. Diese Note erregte in London große Bestürzung und man entschloß sich zurAnnahme der österreichischen Propositivnen. Dieses Nicht-Eingehen Englands auf Louis Napoleons Plane erfüllte den Kaiser mit tiefer Entrüstung, und eine Annäherung an Rußland vermittels des Herrn v. Seebach fand Statt." Wie weit diese Mittheilungen die Ansichten der Cabinette treu und richtig darstellen, vermögen wir nicht zu ermessen; dagegen verdienen dieselben als Symptome für die Beurtheilung der gegenwärtigen Situation jedenfalls Beachtung.
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