Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der freie« Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

----*»e§)®®oc*--

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

JVs. 16. Samstag, den 19. Januar 1856.

Abonnementspreis für'S halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags« Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.

Frankfurt, 19. Januar. Seitdem ein gemeinsames elektrisches Netz die Stätten bindet, wo die europäische Politik gemacht wird, sind die Geheimnisse der Diplomatie ein Gemeingut geworden. Was heute von Cabinet zu Cabinet verhandelt und beschlossen, bringt morgen der Telegraph an alle Börsen. Freilich in den meisten Fällen nur als Gerücht, welches, Wahres und Falsches mischend, den eigentlichen Sachverhalt umhüllt und verschleiert. Aber auch die Gerüchte sind als die Schatten der kommenden Ereig­nisse bezeichnend. In feder politischen Krisis fliegen sie von allen Seiten die elektrischen Dräthe entlang, sie durchkreuzen, sie widersprechen sich, aber sie berichtigen sich auch gegenseitig; nach einigen Debatten hinüber und herüber klart sich die Situation und daS Geheimniß der Diplomatie ist Allen offenbar. So auch in den letzten Tagen. Ueber den Inhalt der russischen Antwort und die Stellung Oesterreichs zu derselben kreuzten sich die verschiedensten Nachrichten; vorgestern war die Fortdauer des Krieges, seit gestern ist der Friede eine ausgemachte Thatsache. Ob Krieg oder Friede — das liegt noch im Schooße der Zukunft; so viel aber steht fest, daß die Friedens-Confercnzen von Neuem beginnen werden. Dieselben werden aber voraussichtlich nur dann einen Erfolg haben, wenn man sich auf den Boden der wirklich gewonnenen Resultate stellt. Von diesem Gesichtspunkte aus entnehmen wir der „Leipz. Ztq." die folgenden Betrach­tungen über die Jahres-Bilanz in der orientalischen Frage: Die letzten Wochen des ge­schiedenen JahreS waren reich an wichtigen Ereignissen, und es gefiel dem Lenker aller Dinge am Schluffe die beiden Wagschaalen anders zu stellen, als wohl Viele gefürchtet oder gehofft hatten. Der Stockholmer Vertrag zwischen jeder einzelnen der beiden West- mächte und Schweden hat seine unleugbare Wichtigkeit. Wohl einzig in der Geschichte steht man aus einer Furcht vor der Zukunft (gravamen de futuro) eine Regierung ihrer Befugniß, mit einer genannten dritten Macht Verträge über gewisse Dinge ab­zuschließen, entsagen und den Vertragsgenossen ein HülfSrecht (statt einer Hülfspflicht) gegen jeden Dritten einräumen. Die Negative bringt es mit sich, den VertragSgenossen. DaS nicht zu versagen, zu dessen Nichtgewähr an den Dritten man sich eben anheischig