Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt,
verbunden Wit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats-
behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.« ^^Ä j
(Expedition. am Geistpförtche», GchlachthauSgaffe 210 ^^^
M 298. Dienstag, den 18. December 1855.
Die Abgabe von Inseraten wird bei herannahendem Weihnachtfeste möglichst BormittagS erbeten, wenn besonderer Werth darauf gelegt wird, daß solche am folgenden Tage erscheinen.
Die Expedition HeS JntelligenzblatteS.
Ueberblicke der Greigniffe im Gebiete der politischen und M^Wiellen Interessen.
Frankfurt, 18^ December. (Zur Situation). Seitdem der Winter die militärische Thätigkeit auf den Kriegsschauplätzen unterbrochen, bemüht sich die Diplomatie, den Faden der Unterhandlungen wieder anzuknüpfen. Von Tage zu Tage treten die Gerüchte von diplomatischen Friedensbemühungen entschiedener auf und die Presse hat bereits von ihnen Akt genommen und sie discutirt. Oesterreich hat, heißt es, neue Friedensvorschläge formulirt und nach Frankreich übermittelt. Kaiser Napoleon soll dieselben annehmbar gefunden und der Billigung deS Londoner CabinetS empfohlen haben. Der König von Sardinien heißt eS ferner, hätte in eigener Person die Antwort der englischen Regierung dem Hofe der Tuilen'en überbracht. — Die „Ostdeutsche Post" brachte zudem die Nachricht, daß sich das vollständige Einvernehmen zwischen Oesterreich und den Westmächten demnächst durch einen neuen diplomatischen Akt bethätigen werde. Auch mehrere andere Blätter melden übereinstimmend, daß Oesterreich im Begriffe sei, mit den Westmächten eine neue Vereinbarung abzuschließen, welche, aus dem Dccember- vertrage basirend, dessen Consequenzen in einen engern Rahmen zusammenfaßt. Ja, andere Nachrichten gehen so weit, zu behaupten, daß das Wiener Cabinet, für den Fall der Nichtannahme glimpflicher Friedensbedingungen von Seiten Rußlands, seinen Gesandten auS Petersburg abzurufen sich bereit erklärt habe. Ebenso lassen, wie in der „A. A. Z." vom 15. d. M. mitgetheilt wird, die Regierungen von Bayern und Sachsen eS sich angelegen sein, durch freundschaftliche Vorstellungeü Rußland zu einem versöhnlichen Entgegenkommen zu bestimmen. Die auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen sind in München wie in Dresden ganz selbstständig aufgetaucht. ES haben darüber keinerlei vorgängige Besprechungen mit einer der beiden deutschen Großmächte stattgefunden, weßhalb auch die Behauptung mehrerer Blätter, daß der Gedanke zu einem solchen AusgleichungSverfuch der Mittelstaaten in Wien seinen Ursprung habe und von dort auS eifrig gefördert werde, mit den wirklichen Verhältnissen nicht im Einklang steht. Bayern und Sachsen befinden sich bei ihren Friedensbemühungen durchaus auf dem Standpunkt der seither vom Bund festgehaltenen Neutralitätspolitik. Beide reden