Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, zCJM verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- ^a&|j^ behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage.b ,
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 266. Samstag, den 10. November 1855.
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Die Expedition des Jntelligenzblattes.
Ueberblicke der Ereègmsse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 10. November. Der allgemeine europäische Wunsch nach Frieden bricht in der verschiedensten Weise durch. Während von Wien aus mit ein-r gewissen Hartnäckigkeit das unwahrscheinliche Gerücht von Wiederanknüpfung der Friedensunterhandlungen wiederholt wird, sprechen die Engländer mit Zuversicht davon, der Feldzug von 1856 werde ein Ende machen mit Rußland; man solle nur tüchtig Mörser- boote bauen, damit man Kronstadt zu Leibe gehen könnte. Schon zwei Sommer ist diese Zuversicht getäuscht worden, so wie jetzt der vor einigen Wochen noch feststehende Glaube, die Russen würden die Nordseite von Sebastopol, ja die ganze Krim räumen, während man jetzt nicht einmal eine gesicherte Unterkunft in den Südsorts findet, da die Nordseite die Trümmer jenseits vollkommen beherrscht. Auch Nikolajeff und Cherson scheinen für dieses Jahr nicht mehr in Betracht zu kommen, und so unterliegt die Ueberzeugung vom dreijährigen Kriege doch einigem Bedenken; wenigstens deuten die Bauten neuer Kriegsschisse in Nikolajess nicht darauf hin, daß Rußland sobald bereit sei, auf die Seemacht tm schwarzeu Meere principiell zu verzichten. Wenn eS auch natürlich die im Vortheil befindlichen Mächte mit zunehmenden Opfern an Menschen und Geld ihre Ansprüche steigern, so muß doch Maß und Ziel darin sein, um den Frieden nicht ganz unmöglich zu machen, und wenn auch der erste Anlaß des Krieges jetzt ganz andern Erwägungen Platz gemacht hat, so sollte man doch im Interesse der Türken selbst, den Wahlspruch: Ausrechthaltung der Integrität und Unabhängigkeit der Türkei, nicht ganz vergessen, denn bei längerer Dauer deS Krieges werden die'Verhältnisse der Turke, unheilbar zerrüttet werden. Hat Rußland selbstverständlich durch diesen Krieg viel gelitten, ;o wird jedoch auch in Frankreich und England der Druck der Kriegslast schwer empfunden. Die Tausende von Millionen, welche auf Kriegsrüstungen verwen-