Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien Stadt Franksart, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

J£ 260. Samstag, den 3. November 1855.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2fl.30kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 3. November. Mit steigender Lebhaftigkeit wird in den Blättern die Frage der Bundesreform besprochen. Was den diplomatischen Stand der Sache betrifft, so ist jetzt auch durch die halbosficielle ostdeutsche Post die vorher bestrittene Thatsache constatirt, daß auf eine von Seiten Bayerns in Wien wegen der Absichten der kaiserlichen Regierung in Betreff der Bundesreform erfolgte vertrauliche Anfrage eine vertrauliche Antwort ergangen ist, die jetzt nach der neuen preuß. Zeitung durch den Grafen Buol auch in Berlin mitgetheilt ist und dem Sinne nach dahin lautet: „Daß, wenn die deutschen Regierungen zu Reformen der Bundesorganisation geneigt waren, Oesterreich die Sache gern anfassen würde; es vertrage sich aber nicht mit dèr Stellung Oesterreichs zum Bunde hierin auf die Initiative zu verzichten." Danach ist es nicht die Absicht Oesterreichs einen etwaigen, von anderer Seite eingebrachren Antrag ans Bundesreform zu unterstützen, vielmehr will es selbst die Angelegenheit in die Hand nehmen. Daß dies schon jetzt geschehen werde, ist nach den übereinstimmenden An­gaben österreichischer Zeitungen, der A. Z. und anderer Blätter zu bezweifeln, da sie alle behaupten: Die kaiserliche Regierung halte den jetzigen Moment für eine Bundes­reform nicht geeignet.

Unter den Stimmen der Presse, welche über diese für Deutschland so wich- ttge Angelegenheit laut geworden, heben wir zunächst hervor einen Aufsatz in den Grenz- boten, der die Sache ausführlich bespricht und zu dem Resultate gelangt, daß der letztge Zeitpunkt für die Vornahme einer Bundesreform durchaus ungeeignet sei. Die Triester Zeitung sucht auf eine unbegreifliche Weise Preußen die Schuld dafür zuzn- schtebtn, daß diese Angelegenheit in der Presse angeregt sei; „man habe in Berlin, „so berichtet das gespenstersehende Blatt", eS sehr übel genommen, daß Oesterreich nicht neue Versuche gemacht habe, den Frieden zwischen den Westmächten und Rußland zu vermit­teln und habe daher seinem „Aerger" (sic 1) dadurch Luft gemacht, daß man Oesterreich ^J^f?^ ^u”9 Psirtikularistischer Zwecke beschuldige und den Credit seiner Finanzen er­schüttere. ' Zu diesem Zwecke sei daS Losungswort der Bundesreform aufgegriffen, um dte niedergedrückten Gemüther der deutschen Mittel- und Kleinstaaten mit neuen Be-