ZnteUigenz-Blatt der freien Stadt Franksnrt, , verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- /^ behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
---**äm<x*---
(Erpeditionr am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 256. . Dienstag, den 30. October 1855.
AbonnementSpreiS für's halbe Jahr 2fl.30kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebührenr 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
Ueberblicke der CrergnLsse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. October. Die Folgen, welche für die Verhältnisse Englands und Frankreichs der Krieg schon jetzt herbeigeführt, rechtfertigen in schlagendster Weise die von Deutschland in der orientalischen Frage bisher innegehaltene Politik. Mehrere Milliarden neuer Anleihen hat Frankreich in das Schuldbuch des Staates eintragen müssen; die Verzinsung dieser großen Summen hat die Einführung neuer und die Erhöhung bestehender Steuern nothwendig gemacht und schließlich eine Krisis herbeigeführt, welche die Bank von Paris zu Maßregeln genöthigt hat, die in empfindlicher Weise den Credit und Verkehr lähmen. Aehnliche Erscheinungen bietet England; schon mehr als einmal ist neben Anleihen eine stärkere Besteuerung deS Volkes eingetreten, man erwartet jetzt neue Taren und die Londoner Bank hat den Discontosatz auf die auffallende Höhe von 7 Procent bringen müssen. Und zu diesem die Theuerung der Lebensmittel um so vieles drückender machenden Verhältnissen gesellt sich in beiden Staaten der Verlust an Menschen. Ueber 120,000 Franzosen sind bereits getödtet oder arbeitsunfähig gemacht, 40,000 Mann hat die schwache Landarmee Englands eingebüßt. Dagegen ist Deutschland, wenn auch indirekt mit berührt von dem lähmenden Einfluß des Krieges auf Handel und Gewerbe, doch frei geblieben von den enormen Verlusten, welche eine Betheiligung am Kriege ihm gekostet haben würde; es hat nicht nöthig gehabt Hundert- tauffnde dem Ackerbau und den Gewerben zu entziehen, und die unter der Theuerung ohnehin schon leidende Bevölkerung mit neuen Steuern zu bedrücken. Aber weit entfernt durch diese Nichtbetheiligung am Kriege an Macht und Einfluß verloren zu haben, hat Deutschland durch dieselbe nur an Kraft gewonnen, während die Westmächte und Rußland ihre Macht im Kriege verzehren, steht Deutschland mit gesparten Kräften da und ist somit in der Lage bei dem Frieden zwischen Rußland und den Westmächten eine entscheidende Stellung einzunehmen.
In dieser günstigen Lage würde Deutschland sich nicht befinden, wenn eS dem Andrängen Frankreichs und Englands gefolgt wäre und von Polen, Galizien und Siebenbürgen aus Rußland angegriffen hätte; statt, wie sie es nun haben thun müssen, mit eigenen Kräften den harten Kampf zu führen, würden die Westmächte den deutschen Hee-