Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Kanksart, ^^^.
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS-
behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage.» ,
(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
JS 252. Donnerstag, den 25. Octoder 1855.
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Ueberblicke der Greignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 25. October. Vor einiger Zeit lief bekanntlich durch die Zeitungen die Angabe, die Preußische Regierung habe den Westmächten Vorschläge zur Herstellung des Friedens gemacht; die Preußische Correspondenz trat indessen diesen Nachrichten mit der bestimmten Versicherung entgegen, daß Preußen keinen Vermittelungsvorschlag gemacht habe. Als Motiv gab die Preuß. Correspondenz an, cS zeige sich nach zuverlässigen Berichten bei den kriegführenden Mächten des Westens so wenig Geneigtheit zur Anknüpfung von Friedensverhandlungen, daß Preußen sich nicht veranlaßt finden könne, freiwillig eine VermittelungStbätigkeit zu übernehmen, welcher unter den obwaltenden Umständen keine Aussicht auf Erfolg zur Seite stehe. In dieser Motivi- rung findet ein hiesiges Blatt einen „Beweis der Einflußlosigkeit der Stellung, welche Preußen in der orientalischen Angelegenheit eingenommen, auf die Kriegs- und Friedensfrage und auf die politische Verwickelung der Gegenwart überhaupt." Wie wenig stichhaltig eine solche Argumentation ist, ergiebt sich aus der Betrachtung der militärischen Sachlage von selbst; die Westmächte haben zwar mit der Einnahme von Scbastopol einen wichtigen Erfolg errungen, aber noch haben sie keinen entscheidenden Sieg über Rußland erkämpft, während ihnen die Aussicht auf weitere Erfolge nahe gerückt ist; und aus diesem Grunde wurde auch nach dem Falle SebastopolS in Wiener Zeitungen übereinstimmend geäußert, die kaiserliche Regierung finde den jetzigen Zeitpunkt nicht geeig-
Westmachten neue Friedensvorschläge zu machen, da den Operationen der Verbündeten noch der strategische Abschluß fehle, und diese daher jetzt zu Friedensverhandlungen nicht geneigt sein würden. Nach der Logik des erwähnten Blattes ?u r^l’^ folgert werden müssen, daß Oesterreich nicht den allergeringsten Einfluß auf die Westmachte m der orientalischen Frage besitze, daß es nichts zu Gunsten der Wiederherstellung des ihm selbst und ganz Deutschland so nothwendigen europäischen Friedens zu thun vermöge." Aber noch mehr Oesterreich hat am Schluß der Wiener Friedensverhandlungen und noch nach dem Abbruch derselben den Westmächten Friedensvorschlage gemacht und diese sind wie bekannt, abgelehnt worden. Wenn man nun Seitens gewisser Organe Preußen der Einflußlosigkeit beständig zeiht, müßte sich diese Ein-