Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ,^^^. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- M^^^M.^ behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.»
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 242. Samstag, den 13. October 1855.
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Ueberölicke der Greignisse èm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 13. October. (Die Politik des deutschen Bundes.) Die Stellung, welche der deutsche Bund in der orientalischen Frage eingenommen, ist neuerdings von mehreren Seiten wieder ungerechter Weise angegriffen worden. Man tadelt die Neutralität desselben und behauptet, die Haltung des Bundes hghe es veranlaßt, daß die Westmächte ihre besonderen Interessen den europäischen Interessen voranstellen. Zur Widerlegung dieser Angriffe gegen den Bund bringt die A. A. Z. »om 6. October einen trefflichen Artikel, der in den bedeutendsten deutschen Blättern bereits große Anerkennung gefunden hat und den wir daher in Folgendem unseren Lesern mittheilen : „Ausführungen jener Art", sagt das genannte Blatt, „entspringen jedenfalls eher einer gemüthlichen, als einer praktischen Anschauung der Dinge, da allen Erfahrungen nach, die Staaten in erster Reihe stets ihre eigenen Interessen verfolgen und den in der Politik nun einmal maßgebenden und ebenso begreiflichen als natürlichen Egoismus auch dort bewähren, wo sie zur Förderung nachbarlicher oder fremder Interessen eben nur so weit die Hand bieten, als sie ihre eigene Sache dadurch gefördert sehen. Daß übrigens die in Rede stehenden Zeitungsstimmen einer solchen Politik gemeinnütziger Resignation und Aufopferung, wie freundnachbarlicher Rücksichtsnahme keineswegs unbedingt das Wort reden, geht wohl überzeugend daraus hervor, daß dieselben in gleichem Athem die Weigerung Deutschlands, von Anfang an mit England und Frankreich gemeinsame Sache zu machen, aufs Tiefste bedauern und dieses Bedauern durch die Erwägung begründen, Rußland werde immer die stärkste Landmacht und seinen Nachbarcn gefährlich bleiben, möge man es nun früh oder spät zu einem noch so de- 'muthlgenden Frieden nöthigen. Derartige Grundsätze führen auf ein höchst bedenkliches Gebiet politischer Moral. Sie proklamiren offen das Recht des Ueberfalls nicht bloß dem Feinde, sondern jedem mächtigen Nachbar gegenüber, sobald dieser durch anderweite Verlegenheit behindert ist, sich mit ganzer Kraft zu vertheidigen. Denn ein Feind Deutschlands ist Rußland in dem obfchwebenden Streit nicht, mag es auch der wenig geliebte und etwas gefürchtete Nachbar sein, und ebensowenig hat Rußland einen Anlaß zur Bekämpfung von deutscher Seite gegeben. Dies wird vor Allem auch durch das Zeugniß Oesterreichs bewiesen. Auch der Kaiserstaat, eine wie pronuncirte Stellung er