Intelligenz-Blatt
der freie« Stadt KanKfurt, vttbiinden «II d« »«t-tl-u, O°gm d<- hl-sig-» DtaatS- M behörden, und de» Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.K
---«»B®@«<*---
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
M 240. Donnerstag, den 11. Oktober 1855.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2fl.30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags.
Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 11. October. Die in der Presse vielfach besprochene Geldkrisis, welche auf den Geldmärkten in Paris und London gegenwärtig herrscht, hat die Kriegs- frage für den Augenblick fast ganz in den Hintergrund gedrängt. Selbst die an der Pariser Börse angeheftete Depesche, welche den Sieg des General d'Allonville über die russische Kavallerie meldet, konnte die Wirkung der Disconto-Erhöhung nicht schwächen. Von welcher Wichtigkeit der öffentliche Credit im heutigen Frankreich ist, wird jeder leicht ermessen können, der da weiß, auf welchem Wege der Staat in verhältnißmäßig kurzer Zeit sich die ungeheuren Geldmittel von 1500 Millionen zur Führung eines Krieges zu verschaffen im Stande war, dessen Erfolg damals theils zweifelhaft, theils nach langer Zeit erst sich einstellend erscheinen konnte. Auch läßt sich hieraus begreifen, welche angelegentliche Sache die Erhaltung dieses Credits für den Staat sein müsse, der in seiner Sorge für die Erhaltung des Ganzen, d. h. in möglichster Steuerung der allgemeinen Noth, in belebender Aufmunterung der Industrie und der merkantilen Interessen, wohl auch im Interesse der Eventualität einer neuen Anleihe für staatlich-militärische Zwecke, alle und jede Hindernisse nach Kräften zu beseitigen hat, die sich derselben zerstörend entgegenstellen können. Die kolossalen Anleihen die gemacht werden mußten, die eristirenden großen Unternehmungen, besonders der beiden großen Creditgesellschaften im In- und Auslande, die Nothwendigkeit, Getreide aus dem AuSlande zu beziehen und zwar in größeren Quantitäten, als der Moniteur bis jetzt einzugestehen für gut fand, haben bekanntlich viel Geld aufgezehrt. Zu diesen natürlichen Gründen kommen noch die Manövers der eigentlichen Geldspekulation hinzu, die nirgends mit mehr Betriebsamkeit und Schlauheit sich thätig zeigt, alS in Frankreich. Die schlimme Wirkung aller dieser Verhältnisse mußte sich besonders auch an der Bank von Frankreich erweisen: der Baarvorrath derselben ist in den letzten Monaten von circa 550 Millionen FrcS. auf 298 gefallen und in der letzten Sitzung des Conseils der Bank, die vor einigen Tagen Statt fand, ist constatirt worden, daß in der verflossenen Woche der Baarvorrath wieder um 17 Millionen abgenommen habe. Die Rückwirkungen ganz ähnlicher Verhältnisse in England, besonders in London, wo die in letzter Zeit vorgekommenen Falliten 10 Millionen Pfd. Sterl, betragen haben, und von wo die finanziellen Nachrichten fort-