Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^S^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS-
behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.« /
--«»ob®®**--- (Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthanSgasse 21.)
M 228. Donnerstag, den 27. September 1855.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 27. September. Der Augsburger Religionssriede, dessen Feier vor wenigen Tagen in den lutherischen Kirchen unserer Stadt begangen worden ist, gewinnt an Bedeutung, wenn man die schwierigen Verhältnisse erwägt, unter welchen er zu Stande gekommen ist. Kaiser Karl V. war nicht blind gegen die Gebrechen der alten Kirche und wohl geneigt zu einer Kirchenverbesserung, die freilich weniger daS Uebel an der Wurzel zu fassen, als einzelne besonders üppig wuchernde Schößlinge abzuschneiden geeignet war; dennoch wollte er die Verbesserung in die Hände der altkirchlichen Vertretung eines Concils -legen, das er nach seiner, deS Kaisers, Ansicht und zu Gunsten seiner Interessen selbst dem römischen Stuhle gegenüber zu leiten gedachte. Auf diesem Wege auch die Abgefallenen zur Wiedervereinigung mit der alten Kirche zu zwingen, war in dem letzten Drittel seiner Regierung eines seiner Hauptgedanken. An diesem Gedanken scheiterten alle seine Plane. Die Protestanten dagegen wollten und durften eine solche Wiedervereinigung nicht mehr von einem Concil erwarten; schon um deS Glaubens willen nicht, für den sie eine festere Grundlage gewonnen, als die, welche in der leicht von äußeren Einflüssen zu bestimmenden Entscheidung hoher Prälaten lag, eben so wenig aber auch für die äußeren Verhältnisse der Kirche, wo die Abweichungen, die sie getroffen, das ganze Wesen ihres Staates bedingten. Ihr Augenmerk mußte also auf das Reich gerichtet sein; gewährte ihnen dieses einen unbedingten, von keiner Kirchenversammlung abhängigen Frieden, wurde dieser zum Reichsgesetze erhoben, so waren sie frei vom Concil und mußten noch dazu vom Reich gegen jede Gewalt geschützt werden. Dies ist der wesentliche Kern des Conflictes zwischen ihnen und dem Kaiser. Da keine Verständigung erfolgte, kam es zum Krieg. Der unglückliche Ausganz des schmalkaldischen Krieges, die Gefangennahme beider protestantischer Häupter gab den Sieg in die Hand deS Kaisers, aber sein Mißbrauch erweckte ihm einen neuen Feind im Kurfürsten Moritz, der durch den Uebersall des Kaisers den Passauer Vertrag (2. August 1552) erzwang. Dieser gewährte den Protestanten vorlausige Anerkennung und verhieß auf einem in sechs Monaten anzuberaumenden Reichstage die Umwandlung derselben in einen festen Frieden. Krieg mit Frankreich,