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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiestgen Staats­behörde» , und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Erpeditiow uni Geistpsörtchen, SchlachihauSgasse 21.)

J£ 224. Samstag, den 22. September 1855.

Abonnementspreis für’S halbe Jahr 2st 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebühren: 6 fr. für die ganze, 3 fr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und nnateriellen Interessen.

Frankfurt, 22 September. Die Erfolge der Verbündeten auf dem Kriegsschau­plätze in der Krim haben in verschiedenen Blättern Erwartungen über die ferneren Un­ternehmungen der Westmächte erregt, welche auf nicht viel weniger als eine Zerstücke­lung des russischen Reichs hinauslaufen. Georgien, Bessarabien, Polen und Finland sind die Länder, welche mindestens von dem großen russischen Gebiete abge­trennt werden müßten, um fein gefährliches Uebergewicht zu brechen :c. Große Beson­nenheit und ein reiferes Urtheil müssen jedoch bei der Erwägung dieser Forderungen einräumen, daß der Verlust einer muthvoll vertheidigten Festung noch lange nicht die Hoffnung auf den jedenfalls schwer zu erringenden Gewinn jener Gebiete rechtfertigt, namentlich wenn diese in demselben Maße vertheidigt werden, wie die Krim. Es dürfte übrigens ein solches Unternehmen schwierig sein, selbst für den Fall, daß die Westmächte stets die Sieger blieben, was denn doch so ohne Weiteres nicht feftsteht. ES heißt unter Anderem, daß die Verbündeten im nächsten Frühjahre mit einer großen Landmacht in der Ostsee erscheinen und Kronstadt zu Wasser und zu Lande angreifen würden. Das klingt allerdings ganz ernsthaft; aber zu einer solchen Expedition gehört mindestens eine Armee von derselben Stärke wie die jetzige in der Krim, die Engländer können bekannt­lich nicht mehr über Landtruppen verfügen, da die Errichtung von Fremdenlegionen einen so geringen Erfolg hat und ob es den Franzosen möglich sein wird mit 100,000 Mann in der Ostsee aufzutreten, ist auch nicht außer allem Zweifel.

Eine Verminderung der französischen Truppen in der Krim könnte nur in geringem Maße erfolgen, wenn die Verbündeten die Früchte eines zweijährigen Feldzuges nicht in Frage stellen wollten, und so erforderte denn der Zug gegen Kronstadt die aberma­lige Verwendung gewaltiger Kräfte an Geld, Material und'Menschen. Gesetzt diesel­ben ständen den Verbündeten in reichem Maße zu Gebot, so dürfte denn doch schwerlich an der Küste Rußlands ein Punkt zu finden sein, welcher sich zur Ansammlung eines Heeres so eignete, wie das Plateau vor Sebastopol. Der Besitz eines Hafens wäre ferner durchaus nothwendig, und da die Witterungsverhältnisse in der Ostsee die Schiff­fahrt während des Winters hemmen, so müßte der Feldzug im Norden innerhalb we-