Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Franksart, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 218. Samstag, den 15. September 1855.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2fl. 30fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 fr. für die gespaltene Zeile.
Ueberblieke -er GreigniM im Gebiete der poritifchett UN- materiellen Jutereffen.
Frankfurt, den 15. September. Der Ebbe an Neuigkeiten aus der Krim ist eine Springfluth von Nachrichten gefolgt. Kaum war die vierteljährige Spannung über den Besitz des MM ^jf off-Thurmes entschieden, so folgte auch die Lösung der Frage, welche Europa ein Jahr in 'Spannung erhielt: ob Sebastopol einnehmbar sei oder nicht? So schnell hat sich die kühne Voraussagung des Kaisers der Franzosen bewährt! Noch sind die furchtbaren Opfer nicht alle bekannt, mit dem eingestandenermaßen von den Franzosen, und den Franzosen allein dieser Erfolg erkauft worden ist, noch kreuzen sich mit der wclterschütternden Kunde, welche den brüten Garantiepunkt faktisch löst, frühere ausführliche Nachrichten, welche in seltsamem Contraste zu dem letzten Ereigniß stehen, noch fehlen uns die Verbindungsglieder, um zu begreifen, wie trotz der so lange hinter dem Malakoff aufgeführten neuen Befestigungen die russische Vertheidigung so plötzlich abbrach und ihre bisherige Zähigkeit verleugnete. Aber schon muß man sich fragen, was auf die nach einer solchen Kraftanstrengung unvermeidliche Ruhe nun weiter folgen soll? Ob die Anstalten zum Ueberwintern nun noch Gültigkeit haben, ob auch das Nordfort bezwungen werden kann, oder ob man sich mit Vernichtung des Kriegsha- fenS und der Flotte begnügen will? Jedenfalls wird das Heer Omer Pascha's jetzt verfügbar, cs kann Eupatoria verlassen und nach Asien eilen, um bei Kars und Erzerum die Sachlage zu verbessern. Wir wollen hier nicht hohle Conjecturalpolitik treiben, sondern nur mit wenigen Worten auf die Rückwirkung dieses Ereignisses auf die Lage Frankreichs Hinweisen, welche durch die steigenden Getreidepreise auch jetzt noch schwierig genug bleibt. Ein großes Glück ist es, daß die äußerste Anspannung der Menschen- und Geldkräfte nunmehr nachlassen kann, denn der Aufstandsversuch in Angers war ein bedenkliches Symptom. Ein so wahnsinniges Unternehmen pflegt nur gewagt zu werden, wenn die Theilnehmer durch Noth zur Verzweiflung gebracht oder durch geheime Gesellschaften über den wahren Stand der Dinge verblendet sind. Die Mordanschläge auf das Staatsoberhaupt scheinen in so trauriger Weise sich häufen zu wollen, wie unter Ludwig Philipp. So drängen in Frankreich die Verhältnisse auf den Frieden hin und tn Rußland ist es in gleichem Maße der Fall. Die national-ökonomischen, so wie