ZnteUigenz-Blatt
der freien Stadt KsaKfuü,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS- DH^W^MH
bthèrden, und den. Frankfurter Nachrichten als Ertrabeilage.» /
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthanSgasse 21.)
JS 206. Samstag, den 1. September 1855.
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Ueberblicke der GreiguLUe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 1. September. Wir haben in unserm letzten Ueberblick über die dankenswerth- Finanzreform in Oesterreich auf die Wichtigkeit des industriellen Aufschwungs zur Besserung der Valutaverhältnisse hingewiesen. Da nun gute Verbindungswege eine der Vorbedingungen zur Erreichung des wirthschaftlichen Aufschwungs sind, so wollen wir heute den neuesten Zustand derselben (mit Ausnahme der anderwärts vielfach besprochenen Eisenbahnen) unseren Lesern vorführen.' In keinem Zweige der Verwaltung hat die Centralisation für Oesterreich wohlthätiger gewirkt, als in diesem. Amtliche Stimmen sprechen über den Unterschied des jetzigen und früheren Systems sich folgendermaßen aus: „Oesterreich genoß vor dem Jahre 1848 den Ruf einer guten und sorgsamen Pflege des Straßen- und Wasserbauwesens; dieser Ruf war insoweit verdient, als man nämlich den Zustand der vorgeschrittendsten Provinzen, namentlich des lombardisch - venetianischen Königreichs und Böhmens vor Augen hatte. Es bestand aber in den verschiedenen Provinzen der Monarchie die weiteste Abstufung von dem herrlichsten Netze gut gebauter und wohl erhaltener Straßen und kunstreicher Wasserbauten der Lombardei, Venedigs und Böhmens, bis zu dem fast gänzlich verwahrlosten Zustande der Straßen und Flüsse in den ungarischen Ländern. Diese Abstufung war damals eine stehende, indem die in jeder Provinz für sich abgegrenzte Thätigkeit des Bauwesens, ohne ein wahrnehmbares Streben und Fortschreiten zu den bedeutend besseren Zuständen, insbesondere des lombardisch-venetianischen Königreichs, auf die Erhaltung der vorbestandeneu Bauten und der Einhaltung der alten Uebungen sich beschränkte. Erst das 1849 errichtete Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten als Centralbehorde für das Bauwesen, konnte diesem Zustand ein Ende machen und nach weiteren Gesichtspunkten das Straßenbauwesen ordnen." Die Zeit war freilich noch zu kurz und zu ungünstig, als daß die alten Zustände in der Vertheilung der Verkehrswege stch nicht noch vielfach geltend machen sollten. Die gesammten Land- und Wasserstraßen, welche unter Obsorge der Staatsbaubehörden stehen, haben eine Länge von 4,48987ioo österreichische Meilen, oder etwas über eine Meile auf drei Geviertmeilen und 9000 Be- wohmr. Auf Venedig mit 2,391,400 Bewohnern kommen 380 Meilen, auf die Lom-