Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt her freien Stadt /raskftrt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden,' und den frankfurter Nachrichten als Extrabeilage

(Expedition: am Geèstpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)

'n Dienstag, den 21. August 1855.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2fl 30kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblirke der Ereignisse im Eebèste der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 2t. August. Die Fremdenlegionen, die man, uneinKehenkihrer Tapferkeit und Bewährtheit in früheren englischen Kriegen, vor wenigen Monaten noch mit unverdienter Geringschätzung behandelte, scheinen seit der Shorncliffe-Revue wieder zu Ehren gelangt zu sein und den Times lesenden John Bull mit extravaganten Hoffnun­gen zu erfüllen. Selhst die große englische Denkmaschine, gemeinhin Times genannt, äußert sich in diesem Sinne und hat plötzlich ein Einsehen davon, daß der Deutsche als Tirailleur und Cavallerist (beiläufig bemerkt, noch hat die Legion keine Pferde und es ist pure Gefälligkeit der Times, unsere Reitertüchtigkeit so vorweg anzunehmen) dem englischen Soldaten vorzuziehen sei. Forscht man nach dem eigentlichen Motiv dieser Anerkennung, so findet sich dasselbe nicht etwa in über Nacht gekommener Bescheidenheit, sondern vielmehr in wachsender Verlegenheit. England braucht Soldaten und das eigne Land giebt keine her. Angesichts dieser Thatsache drängt sich einem die Frage auf, wo­her schreibt sich die Abgeneigtheit des Engländers Kriegsdienste zu nehmen ? warum schei­tern alle Werbeversuche und warum trotzt er der magnetischen Kraft der Fünfpfundnote, deren Zauber er doch sonst so wenig zu widerstehen vermag? Hat Milner Gibson Recht, wenn er. in der Sitzung vom 3. August auSrief: „ der schlechte Erfolg eurer Werbungen, der nicht wegzuleugnende Umstand, daß sich Niemand im Lande zu euren Fahnen drängt, ist ein unwiderleglicher Beweis von der Unpopularität des Krieges? oder haben diejenigen Recht, die von öffentlicher Meinung, von Sympathie und Volks­begeisterung nichts wissen wollen und (die einzelne Ausnahme zugegeben) in tausend Fällen bestreiten, daß der Mensch geneigt sei, sein Leben für eine Idee in die Schanze zu schlagen? Sie haben sicher beide Unrecht, Milner Gibson nicht minder als die Di­plomaten vom alten Schlage, und wir glauben, an die Popularität des gegenwärtigen Krieges in England so gewiß, wie wir im Hinblick auf die französische Revolutionszeit und noch mehr fast auf daS Jahr 13 in unserer eignen Geschichte, an die hohe Fähigkeit eines Volkes glauben, Gut und Blut für ideelle Güter zum Opfer zu bringen. Aber diese Fähigkeit kann einem Volke verloren gehn; die Sympathie, um nicht zu sagen die Begeisterung, kann ohnmächtig werden und zu bloßer Phrase sich verlaufen, anstatt zur