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Intelligenz-Blatt der freies StM KMfsrl, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)

J£ 180. Donnerstag, den 2. August 1855.

AbonnementSpreiS für's halbe Jahr 2st 30fr. Tägliche Ausgabe außer Montags.

Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 fr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der EreègMUe im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.

Frankfurt, 2. August. Man beginnt im Lager der Verbündeten bereits an den nächsten Winter zu denken. Der Sturm am 18. Juni hat von der Wiederholung sol­cher Gewaltstreiche gründlich abgeschreckt und die Vorbereitungen zum methodischen An­griff der Hauptwerke dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Feldherren wissen aber wohl, daß, wenn sie auch eine Bastion genommen, sie vor einer neuen Be­festigung stehen werden, und so scheint sich die Ansicht festzuftellen, daß man auch in diesem Sommer mit Sebastopol bei dem bisherigen Verfahren wenigstens, nicht zum Schluß gelangen wird. Es bieten sich nun folgende Möglichkeiten dar. Einen Angriff gegen das russische Feldheer bei Simpferopol, welches bedeutend verstärkt ist, womit die oft vermißte vollständige Einschließung Sebastopols erreicht, werden könnte, verbietet die Schwäche der verbündeten Heere sowie die offenbare Abneigung Omer Paschas, aus sei­nen Verschanzungen bei Eupatoria sich hervorzuwagen. Es böte sich also nur ein zwie­facher Weg: abermaliger Winterfeldzug vor Sebastopol, oder Aufgabe der Belagerung mit Behauptung der befestigten Küstenpunkte. Betrachten wir den ersten Plan, so ließe sich allerdings durch eine Sorgsamkeit, welche im vorigen Jahre gefehlt hat, vieles von den Leiden vermeiden, es bleibe aber doch immer ein Winterfeldzug in rauhem Klima auf kahler Höhe und würde nur zu einem abermaligen Anfang der Belagerung führen. Der zweite Plan würde Epoche in unserer Kriegsgeschichte machen; es wäre die groß­artigste Blokade, kaum noch aktiver Krieg. Von den befestigten Hafenorten Ka« miesch, Balaclava, Eupatoria, Kertsch aus würden die Verbündeten durch ihre Flotten das Meer und die Mündungen der russischen Ströme beherrschen, und die Küsten be­unruhigen. Vorausgesetzt müßte freilich werden, daß die Feldverschanzungen dieser Orte stark genug wären, einem concentrirten Angriff, deS alsdann freiwerdenden russischen Hauptheeres Widerstand zu leisten. Sehr kostspielig würde allerdings diese Kriegführung für die Westmächte sein, aber Rußland würde sehr dadurch belästigt werden. — Werfen wir einen Blick auf die beiden andern Schlachtfelder, so ergibt sich, welchen Entschluß man auch im Lager der Verbündeten fassen mag, daß Seitens Rußlands an der Donau