Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als GratiSbeilag
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
Donnerstag, den 14. Juni
1855.
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Ueberblicke der Greigniffe im Gebiete -er politische» unö materiellen Interessen.
Frankfurt, den 14. Juni. Der Schluß der Wiener Conferenzen constatirt die Thatsache, daß die Stellung Oesterreichs, zu der orientalischen Frage eine durchaus andere geworden, als sie es bisher gewesen. Bundesgenoß der Westmächte und nach vielfachen Erklärungen entschlossen, mit diesen Rußland zu bekriegen hält das Wiener Cabinet cs jetzt für angemessener, obwohl ein Friede auf Grund der vier Garantiepunkte nicht zu Stande gekommen und somit der im Decembervertrage vorgesehene Fall eingetreten, die Westmächtc allein ihren Kampf auSfechten zu lassen. Aus dieser passiven Haltung ist zwar an sich der österreichischen Regierung kein Vorwurf zu machen; die Interessen des Staates verlangen es nicht, daß er sich die Opfer und Kosten eines Krieges auferlege, dessen Gewinn nicht sowohl Oesterreich, als vielmehr den Westmächten zufallen würde. Wenn man indessen von Wien aus bei den Regierungen von Frankreich und England fortwährend Hoffnungen auf eine active Mitwirkung erregt und durch die Presse den Glauben hervorgerufen hat, Oesterreich werde „die Interessen Deutschlands" durch sein Schwert wahren, so kann man sich auch an der Donau jetzt nicht darüber wundern, daß in Paris und London, sowie in Deutschland ein vollständiger Umschlag der öffentlichen Meinung erfolgt ist. Diese Thatsache zu constatiren, mag hier genügen. Ungeschehen aber wird dieser Umschlag der öffentlichen Meinung nicht dadurch gemacht werden, daß man von Wien aus fortgesetzt die Schuld der Jnactivität Oesterreichs auf Preußen und Deutschlaud wälzt. Ein Staat wie Schweden kann sich darauf berufen, daß er ohne zahlreiche Hülfstruppen es nicht wagen dürfe, mit Rußland Kneg zu beginnen; Oesterreich, ein Staat von 36 Mill. Einwohnern, die mitteleuropäische Großmacht, müßte an einer staunenswerthen Zerrüttung leiden, wenn es nicht mit seinen eigenen Heeren im Stande wäre, das schon von drei Gegnern bekämpfte und selbst an der Ostsee zu bedeutenden Truppenaufstellungen genöthigte Rußland anzugreifen. Nicht Preußens und Deutschlands Weigerung die verlangten Hülfstruppen zu stellen — Oesterreichs Interesse ech das ihm verbietet, den Krieg wirklich zu beginnen und dies offen einzugestehen,