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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /^v^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als GratiSbeilageck

(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 134. * Samstag, den 9. Juni 1855.

Abonnementspreis für's halbe Jabr 2fl 30fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 fr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblirke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 9. Juni. Die Wiener Eonferenzen, cm 15. März eröffnet, sind am 4. Juni geschlossen worden. Sowohl von Paris, als von London aus, wurde bei dem Beginn der Verhandlungen die Erwartung ausgesprochen, laß sie zum Frieden führen würd.n; und in der That schien längere Zeit diese Hoffnung vollkommen be­gründet. Ueber die ersten beiden Garantiepunkte erfolgte schnell eine Einigung, wobei, wie Lord John Russel späterhin im Unterhause äußerte, die Concessionen Rußlands von wesentlicher Bedeutung waren; der vierte Puirkt konnte als durch die Zugeständ­nisse Rußlands und die begonnenen Reformen der Pforte erledigt bet achtet werden, und so große Schwierigkeiten sich auch in Betreff der Frage wegen der künftigen Stellung der russischen Seemacht im schwarzen Meere barboten, selbst dieser Stein des AnstoßeS schien der Beseitigung nahe. Oesterreich hatte in den russischen Vorschlägen zur Lösung der Garaniiesrage Elemente zu einer Ausgleichung erblickt und darauf einen Vorschlag gegründet, dessen Annahme von Seiten Rußlands gewiß erschien, und die die außeror­dentlichen Bevollmächtigten Frankreichs und Englands, die Minister Drouin de L'huyS und Russel, ausdrücklich billigten und bei ihren Kabinetten zu befürworten versprachen. Aber Drouin de L'buys drang mit seiner Befürwortung nicht durch und nahm seinen Abschied, Lord Russel vergaß in London, was er in Wien versprochen hatte. Noch einmal sandte Oesterreich seine sorgfältig entwickelten VermittelungSvorschläge nach Paris und London; aber die Garantien, welche der Donaumacht Oesterreich vollkommen genügend erschienen, um die Türkei gegen etwaige Angriffe Rußlands zur See zu schützen, fanden nicht die Zustimmung der Westmächte, die sich nur dann für befriedigt halten, wenn Rußland die jeden selbstständigen Staat auch nach der Ansicht Oesterreichs tief verletzende Forderung zugesteht, daß es in die Beschränkung seiner Souve- rainetât willigt. Eine Forderung die Rußland selbstverständlich nicht zugestehen kann und wird. So hat denn am 4. d. M. die Schlußsisung der Conferenz stattgefun- den. Bei dieser ergab sich als Endresultat, daß die russischen Bevollmächtigten den österreichischen Vermittelungsvorschlag als geeignet zur Herbeiführung einer Ausgleichung