Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, X^x
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(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.) y^y
Jg 132. Donnerstag, den 7. Juni 1855.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 7. Juni. Die Aufklärungen über die letzten telegraphischen Botschaften sind immer noch nicht erfolgt. Nur soviel scheint sicher, daß die Beherrschung des asow'schen Meeres wichtiger ist, als die „Besitznahme der Tschernaj a linie," welche sich nur auf eine Ueberschreitung des Flüßchen in seinem oberen Laufe und Besitznahme eines ganz vereinzelten Punktes jenseits desselben zu beschränken scheint, während nach russischer Auffassung der Rückzug des Li- Prandi'schen Heeres in die höheren Theile der Hochebene zwischen Tschernaja und Belbek nur aus Gesundheitsrücksichten geschehen ist, da in den tieferen Lagen derKnin jetzt Wechselfieber und Typhus zu befürchten sind. Jelenfalls haben die Russen hinlängliche Erfahrungen über die S o m in erkr a nk heiten der Halbinsel, welche die Verbündeten erst mit großen Opfern erwerben müssen. Die Beherrschung des asow'schen Meeres macht übrigens die Verpflegung des russischen Heeres durchaus nicht unmöglich, doch bringt sie der russischen Armee immerhin Nachtheil. Während nämlich nördlich von Perecop nur dürre Steppen liegen, lieferten die fruchtbaren Anlande des Don reichliches Futter für die 50,000 Pferde, welche die Russen auf der Krim haben. Von dem an der Mündung des Don (Tauais) gelegenen Asoff, das Peter I. von 1699 bis 1712 besaß, Anna 1739 durch Münnich eroberte, aber erst Katharina II. 1774 dauernd erwarb, gingen diese Vorräthe nach den Magazinen von Jenikale und Kert ch und von da auf der großen Straße über Kassa (Feodosia) und Staraja Krim (Alt-Krim) nach Simpheropol. Desgleichen auf der flachen, leicht zu bestreichenden Landzunge, welche im Osten des in drei Becken getheilten Siwasch oder „faulen Meeres" von Fort Genitscha bis Fort Arabat sich erstreckt und zwei kleine Orte, Tschokrak und Tscheherme trägt, zogen die Verstärkungen aus Tannen heran, um sich in Kertsch zn sammeln. Die Stadt Kertsch war unter dem Namen Particapeon oder Bosporus mit Chersonneins und Theodosia eine der blühendsten unter den von den Griechen angelegten Pflanzstätten am Nordrande des schwarzen Meeres. M i le sisch e Colonisten ließen hier mehr als 500 Jahre