Intelligenz-Blatt
Ler freien StaSè /mnkfiirt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^ 128. Samstag, den 2. Juni 1855.
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UeberbliKe der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 2. Juni. An die officiellen Kundgebungen und den diplomatischen Schriftwechsel, welche die Regierungen in der orientalischen Angelegenheit führen, schließen sich gleichsam als Chor die Stimmen der Presse an. Wie die Ansichten der Regierungen, so sind auch die Meinungen der einzelnen Zeitungen verschieden, je nach den Standpunkten, von welchen dieselben ausgehen. Ein Ueberblick über die verschiedenen von den Organen der öffentlichen Meinung aufgestellten Ansichten wird daher stets dazu dienen, gegen einseitiges und befangenes Urtheil zu schützen. Es ist nicht allein nützlich, sondern auch gerecht, beide Parteien zu hören- denn „eines Mannes Rede ist keine Rede, man soll sie billig hören Beede." Auf diesen Ausspruch uns stützend, führen wir unsern geehrten Lesern heute die Ansichten einer Zeitung vor, welche seit längerer Zeit von der „ Postzeitung" zum Gegenstand ihrer Angriffe gewählt ist. Wir geben unsern Mitbürgern auf diese Weise gleichsam den Tert zu den Gegenreden der „Postzeitung" und der Angeklagten das ihr zukommende Recht, an dem Orte ihrer Verurtheilung gehört zu werden. „Die Frankfurter Anfechtungen — sagt die „Leipziger Zeitung" — sind ergötzliche Blutsverwandte jener sonn- und festtäglichen Gespräche von Krieg und Kriegs-Geschrei, welche den Bürger im „Faust" erfreuen, während weit davon in der Türkei die Völker auf einander schlagen." Die „Leipz. Ztg." verwahrt sich ferner gegen die Sophismen, welche die „Postztg." ihr octroyirt und gegen die Hineintragungen, welche sie ihr mit „etwas Phrasenschaum" darüber geschlagen, angedeihen
In der Sache selbst wendet die „Leipz. Ztg." sich gegen die Behauptung der ^Postztg.", daß die active Betheiligung Deutschlands am Kriege daS beste und schnellste Mittel zur Herstellung des Friedens sei.
„Es würde Deutschland nach dem Humor des Frankfurter BlatteS sich ebenfalls
Genoffen des Halbmondes anzuschließen haben; es hätte seine gesammten östlichen Grenzlande der Kriegsfurie zu öffnen und zu dem Drucke der Lebensmittel-Theuerunq noch die unberechenbaren Opfer an Menschen, Material und Geld der jetzigen Bevölke-