Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt ta freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats­behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage

(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)

M 126. Donnerstag, den 31. Mai 1855.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2jl.30fr. Tägliche Ausgabe außer Montags.

Einrückungsgebühren: 6 fr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberbliâ der Creignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 31. Mai. Die Erfolge, welche die Franzosen nach den neue­sten telegraphischen Nachrichten aus dem französischen Lager unter dem neuen Oberbefehl seit dem 22. in dem Zwischenraum zwischen ihren Laufgräben und den Haupt­werken von Sebastopol errungen, sind nach neueren telegraphischen Depeschen vom 27. durch die Gewinnung der Hochebene jenseits der Tschernaja vermehrt worden, denn an­ders läßt sich die „Gewinnung der Tschernaja-Linie" nicht erklären. Bestätigte sich diese Nachricht, die wir jedoch bis jetzt nur noch aus französischen Berichten haben, so wäre das Liprandi'sche Heer verdrängt und damit dem Belagerungsheer in dessen Rücken Li- prandi stand, Raum gegeben zu Operationen gegen Backtschiscrai und Simpheropol. Nicht minder wichtig ist ite zweite französische telegraphische Nachricht von der geglück­ten Expedition gegen Jenikale und Kertsch. Bekanntlich war nach diesen Punkten, welche den Eingang zum asow'schen Meere decken, vor Kurzem eine Expedition abgegangen, aber sogleich zurückgerufen worden, angeblich, weil man eine solche Schwächung der Streitkräfte vor Sebastopol für zu bedenklich hielt. Da nun dieser Grund noch fort­dauert, wir auch von einer neuen Entsendung nichts vernehmen, so ist diese Lücke wohl am wahrscheinlichsten durch die auf Privetwege eingelaufene Meldung zu ergänzen, daß die französischen Kaisergarden direet von Konstantinopel aus jenen Heereszug unternom­men, in Folge dessen Kertsch und Jenikale von den Russen aufgegeben wurden. Beide Ereignisse zusammen (besonders wenn sich die letzte telegraphische Nachricht bestätigt) hätten nun mit einem Male den vor Sebastopol zusammengedrängten Krieg über die ganze Halbinsel verbreitet. Weniger verändert ist die Lage auf dem diplomatischen Schauplatz. Oesterreichs Stellung ist noch immer im Vordergründe der Discussion. Erst neulich hat Lord John Russel, als Frucht seines Wiener Aufenthalts, dem Parla­ment seine neugewonnenen Ansichten über die Schwierigkeiten eines österreichischen Feld­zugs in Polen dargelegt, wo fünf Festungen, jede so stark, wie Sebastopol, ihnen ent- gegenständen, während eine Niederlage die Russen vor Wien führen könnte. Auf den