Intelligenz-Blatt der steil SWt Kaikssrt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
^N 121. Donnerstag, den 24. Mai 1855.
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Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 24. Mai. Die Times vom 17. bringt die wichtige Nachricht, daß ein Theil deö englischen Cabinets, mit Lord John Russel an der Spitze auf die Herstellung des Friedens um jeden Preis hinarbeite. Es liegt hierin der Beweis, daß in den englischen Regierungskreisen sich die Ueberzeugung mit großer Entschiedenheit geltend zu machen sucht, wie unter gegenwärtigen Umständen an eine erfolgreiche Durchführung des Kampfes gegen Rußland nicht zu denken sei. In der gesummten österreichischen Presse stößt man überdies neuerdingsauf die übereinstimmende Ansicht, daß vom Wiener Cabinet eine Kriegserklärung gegen Rußland um etwa eine Reduc- tion der russischen Flotte zu erzwingen niemals zu erwarten ist. Nachdem Rußland in die Oeffnung des schwarzen Meeres für die Kriegsschiffe aller Nationen willigte, wollte es faktitch nicht mehr die Alleinherrschaft auf dem PontuS führen. Wäre die russische Seemacht daselbst aber nicht mehr, so wäre Englands und Frankreichs Einfluß in Konstantinopel der allein maßgellende und die Begünstigung einer solchen Politik liegt unmöglich im Interesse Oesterreichs. Da nun die Westmächte auch den letzten österreichischen Vermittelungsvorschlag ablehnten, welcher nach der Vertagung der Con- ferenzen in Vorschlag gebracht wurde, so ist es der österreichischen Regierung nicht zu verdenken, wenn sie, wie die österreichischen Zeitungen versichern, die Frage wegen Einnehmung einer neutralen Stellung lebhaft in Betracht zieht. Nach diesem bekannten österreichischen Vorschlag, würde es den Westmächten stets freigestanden haben, so viele Kriegsschiffe nach dem schwarzen Meere zu senden, daß diese in Verbindung mit der türkischen Flotte der russischen an Stärke in einem bestimmten Verhältniß überlegen gewesen -wären. Wenn den Höfen von Paris und London die Erhaltung einer so bedeutenden Flottenstation im schwarzen Meere zu kostspielig erschien, wenn sie in einer solchen Vereinbarung nichts als einen bewaffneten Frieden erblicken, so läßt sich gegen diese Ansicht von ihrem Standpunkte nichts cinwen- den; für Oesterreich konnte sie indessen nicht maßgebend sein besonders da seine Regierung wußte, daß Preußen unter keiner Bedingung Hülfe in einem Kriege geleistet hätte, der ohne seine Zustimmung angefangen'wäre. Jene auf die Ein-