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Intelligenz-Blatt der freie« Stadt Fraaksatt, ^® verbunden mit dem Anrtsblatt, Organ der hiesigen StaatS- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.» HMMNM ---**®®®®°*--

(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

^Z 119. Dienstag, den 22. Mai 1855.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2fl. 30fr. Tägliche Ausgabe außer Montags.

Einrückungsgebühren: G kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 22. Mai. Die „Oesterreichische Zeitung" enthielt vor Kurzem einen Artikel, in dessen Eingang sie an Deutschland die Aufforderung rich­tete sich an Oesterreich anzuschließen um mit diesem einen Frieden von Rußland zu er­zwingen, während sie am Schluß Frankreich an die Hand gab durch Aufstellung eines großen Rhein he er es die deutschen Staaten zur Mobilmachung und zur Kriegführung gegen Rußland zu nöthigen. Diese Aeußerungen haben in der entrü­steten deutschen Presse von Seiten der verschiedensten Parteien die gebührende Zurecht­weisung gefunden. So sagt z. B. die Leipziger Zeitung: „Ein Theil der Presse an der Donau hält seit einigen Tagen zu der eingetretenen einstweiligen Vertagung der Wiener Conferenzen einen seltsamen Epilog. Namentlich macht die'„österreichische Zei­tung", wie man sagt, „Lloyd's Nachfolger", sich laut. Da heißt es z. B.: „Die Zeit ist jetzt gekommen, in welcher die deutschen Mächte in der orientalischen Frage einen Standpunkt einzunehmen haben. Sollten sie sich dazu entschließen, mit dem österreichi­schen Cabinete Hand in Hand zu gehen, sollten sie in energischer Weise ihrer Opferbe­reitwilligkeit für die allgemeine Sache an den Tag legen, so ist es wahrscheinlich, daß die Opfer selbst niemals verlangt . . . Einem einigen Deutschland gegenüber würde Rußland nachgeben." Nun ist aber bekannt, daß Deutschland, d. h. der deutsche Bund als Gesammtmacht, seinen, versteht sich selbstständigen Stand­punkt zur orientalischen Frage sehr bestimmt eingenommen hat und zwar völlig Hand in Hand mit Oesterreich. Indeß ist wohl nur die große Jugend der österreichischen Zeitung der Grund, daß sie von dem auf den Antrag von Oesterreich und von Preußen erfolgten Beitritte des Bundes zu dem Aprilvertrage von 1854 unb dessen beiden Zusatzartikeln nichts zu wissen scheint. Der Aprilvertrag, geschlossen für die ganze Dauer des Krieges zwischen Rußland einerseits und der Türkei, Frankreich und England andererseits, ist die specielle Grundlage jenes Standpunktes, und zwar des Standpunktes aller deutschen Staaten, weil der deutsche Bund bei sei­nem Anschlusse sehr richtig erkannte, daß er in europäischen Fragen seine Aufgabe nicht auf den Buchstaben seiner Grundgesetze beschränken, sondern überall mit seiner ganzen