Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Kanksnü, /^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- M beworben, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.^
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
^U 117. Samstag, den 19. Mai 1855.
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Ueberblirke der GreignMe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 19. Mai. Da weder der kriegerische noch diplomatische Schauplatz der orientalischen Angelegenheit im gegenwärtigen Augenblick etwas Neues bietet, so wollen wir heute eine Ostseefrage ins Auge fassen, welche schon mehrmals mit der großen Weltsrage in Verbindung gebracht worden ist. Wir meinen den Sundzoll. Bekanntlich durchliefen vor kurzer Zeit die Zeitungen Gerüchte von Anerbietungen betreffs der Aufhebung des Sundzolls, welche die Westmächte der preußischen Regierung als Preis ihres Zutritts zum Kriege gegen Rußland gemacht hätten. Die preußische Regierung hat vorgezogen, diese Angelegenheit von den fremden politischen Erwägungen zu sondern, mit denen sie vermengt werden sollte, ohne deßhalb ihre Bestrebungen aufzugeben, welche eine billige Ablösung des Sundzolls von jeher bezweckten. Allerdings kann Dänemark für seine Leuchtfeuer und Bojen an der Meerenge eine Abgabe in Anspruch nehmen, die Klagen aber beziehen sich auf die Höhe der Abgabe, die Menge der Nebenabgaben und auf das Unstatthafte des Princips, nach dem sie erhoben wird gewissermaßen als Tribut der fremden Schiffer an den Herrscher der Ostsee. Dieses aus den Zeiten der alten Seekönige vererbte Princip, wonach bis zu Hugo Gcotius Spanien und Portugal ganze Meerè für ihr Eigenthum erklärten, hat seine vorletzten Vertreter mit den Varbaresken verloren. Völkerrechtlich besteht kein Zweifel an der Unrechtmäßigkeit eines solchen Tributs, das hat nicht nur die Nordamerikaner zu der Kündigung des Vertrags von 1826, welche auf 30 Jahre geschlossen war, und am 26. April 1856 abläuft, veranlaßt, sondern das erkennt selbst die unabhängige dänische Presse an. Nicht minder klar find die materiellen Verhältnisse durch die letzten preußischen Kammerverhandlungen gestellt worden. Man weiß, daß der fremde Ostseehandel jährlich 401 Millionen Thaler an Sundzoll entrichtet, wovon nur 40 Procent der dänischen Staatskasse zu Gute kommen, währen 60 Procent in Nebencanäle fließen; daß für Leuchtfeuer im Ganzen Dänemark nur 50,000 Thlr. jährlich verwendet. Die nordamerikanische Kündigung ist rund und nett, von keiner Ablösung ist die Rede. Fädre la nd e t, eines der einflußreichsten Kopenhagner Blätter, findet es ganz natürlich, da