Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS- /^^^M^MA' behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.» ^®§®^
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(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
^ 112. Samstag, den 12. Mai 1855,
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UebekklLcke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 12. Mai. Der Sturz Rcdschid Pascha'S und der in Frankreich erfolgte Ministerwechsel sind Ereignisse, welche mit Recht die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Ein Ministerwcchsel in der Türkei würde unter gewöhnlichen Verhältnissen für uns nicht viel mehr Interesse haben, als eine Cabinets- veränderung in China oder in Japan. Im gegenwärtigen Augenblicke sind die innern Zustande des osmanischen Reiches aber so enge mit ben allgemeinen europäischen Verwickelungen verbunden, daß Alles, was auf die ersten einen bedeutenden Einfluß auS- zuüben geeignet ist, auch für die letzten eine hohe Wichtigkeit erhält. Redschid Pascha war, wie sich dies bei jeder Gelegenheit gezeigt hat, ein willenloses Werkzeug in der Hand des englischen Gesandten Lord Stratford de Redcliffe. Sein Sturz, der wahrscheinlich während der kürzlich von den Zeitungen gemeldeten Reise des Lords nach der Krim erfolgte, ist daher zugleich eine Niederlage des bisher allmächtigen britischen Einflusses. Man darf sich aber nur zurückrufen, auf welche Weise dieser Einfluß benutzt worden ist, um es begreiflich zu finden, daß Alles, was im osmanischen Volke und Reiche noch einiges Gefühl für nationale Selbstständigkeit besaß, sich gegen denselben erheben mußte. Nicht der Sultan, sondern Lord Stratford de Redcliffe war der unumschränkte Gebieter, und eben so unumschränkt, wie er in Konstantinopel regierte, regierten, seinen Weisungen folgend, die englischen Konsuln in den Provinzen. Daß die Türken dieses Joch abwerfen, wird aber schwerlich weder die einzige noch die wichtigste Folge bleiben, welche die Beseitigung Redschid Paschas nach sich ziehen wird. Wir haben Redschid Pascha den Urheber aller Reformen im osmanischen Reiche genannt, weil von ihm, dem vertrautesten Rathgeber deS Sultans Mahmud, jener bekannte Hattischerif von Gülhane ausgegangen ist, der den Zuständen deö Landes durchaus nicht entsprach. Sein Nachfolger Ali Pascha, der bisherige Minister des Auswärtigen und gegenwärtige Bevollmächtigte der Pforte in Wien, gilt gleich ihm als ein Freund der Reform; und es hat daher den Anschein, als ob der Sultan, nicht zugleich mit den durch ihn vertretenen Civilifationsideen brechen wollte. Welcher Art aber auch die Absichten des Sultans sein mögen, so ist eS