Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage
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(Erpedition : am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^Z 100. Samstag, den 28. April 1855.
Ueberblieke der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 28. April. Während die Ostdeutsche Post gemeldet hatte, die Wiener Konferenzen seien abgebrochen, bezeichnete Lord Palmerston im Parlament dieselben als nur vertagt; dagegen berichtet die „österreichische Korrespondenz", die Friedensverhandlungen würden ununterbrochen sortgeführi. Diese letztere Angabe, als aus dem Sitze der Konferenzen und von derjenigen Regierung stammend, welche das meiste Interesse an der Wiederherstellung des Friedens kundgiebt, ist wohl als die richtige zu betrachten und daher anzunehmen, daß nach der Abreise der außerordent- llchen Gesandten Englands und Frankreichs die Verhandlungen durch die bleibenden Vertreter derselben werden fortgeführt werden. Welches ist nun der gegenwärtige Stand der Negotiationen? Rußland will selbstverständlich die Zahl seiner Schiffe im schwarzen Meere nicht einschränken, eine Forderung, an deren Annahme die Westmächte schwerlich geglaubt haben können; es will ebenso wenig, daß das schwarze Meer allen Kriegsschiffen unzugänglich sei, und auch die Annahme dieser Forderung haben die Westmächte nicht erwarten können. Das Bombardement von Sebastopol hat am 9. angefangen ; über eine Woche ist verflossen und am 20. ist es noch nicht zu einer weitern Entscheidung gekommen, allein es scheint, daß man zunächst von dem Resultate dieses menschenmörderischen Kampfes den Ausgang der Unterhandlungen in Wien abhängig macht. Zunächst handelt eS sich um das, was Oesterreich thun wird. Seine Militärconvention mit Frankreich und England ist noch nicht unterzeichnet. Sein Antrag aus Mobilmachung des deutschen Bundesheeres ist noch nicht gestellt. Sein Gesandter in Petersburg ist noch nicht abberufen. So lange diese drei Thatsachen nicht eingetreten sind, läßt die nächste Sachlage sich nicht ermessen. Daß Oesterreich indessen sich entschließen werde, an dem Kriege gegen Rußland theilzunehmen, muß immer noch als zweifelhaft angesehen werden. Nicht allein, daß die Aeußerungen der österreichischen Zeitung es wahrscheinlich machen, daS Wiener Cabinet werde auch fernerhin in der bewaffneten und abwartenden Neutralität verharren; auch die Erklärung, welche Graf Buol in einer der letzten Conferenzsitzungen gegeben, spricht für jene Auffassung. In dieser wird zwar die Uebereinstimmung Oesterreichs mit den Westmächten in Betreff der Auslegung des dritten Punktes ausgesprochen, aber nicht die Verpflichtung übernommen für diese Auslegung die Waffen zu ergreifen; Graf Buol erklärt nur, Oesterreich betrachte einen