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Jl-tettègenz-Blatt der freien Sindt Frankfort, ^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS-

behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.»

(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

M 96. Dienstag, den 24. April 1855.

Ueberblicke der Ereiftnifse im Gebiete der poLitifchett und materieUeu Interessen.

Frankfurt, 23. April. Auf drei Punkte sind gegenwärtig die Augen Europas gerichtet: Auf London, Sebastopol und Wien. In London ist der Kaiser am 16. mit seiner Gemahlin angelangt, und von der Königin wie von dem Volke mit größter Auszeichnung empfangen worden. Auf den Triumpheinzug durch ein antenhalb deUsche Meilen langes Spalier von geputzten Menschen zu Wagen, zu Pferde und zu Fuße, folgten Hoffeste aller Art und die Verleihung des höchsten englischen Ordens, der noch selten einem Herrscher Frankreichs zu Theil wurde. Die Engländer scheinen indissen selbst über den^ Enthusiasmus zu erschrecken, den der Besuch des Kaisers in London her­vorgerufen. Sie fürchten, man möchte das Beifallrufen für die Person des Kaisers auch als Beifall auslegen für den von ihm in Frankreich herbeigeführten politischen Zustand und finden darin eine Geringschätzung der „britischen Institutio­nen", welche in der Gegenwart allerdings viel Trug nach Innen, und Schwäche nach Außen offenbaren. Es scheint uns diese Befürchtung übertrieben und ein großer Theil des Zudrangs aus der sehr natürlichen Neugierde entstanden, der die Engländer trieb, auch alS befreundeten Kaiser den Mann zu sehen, den sie vor nicht wenigen Jah­ren, wie die Times kürzlich bemerkte, „mit ungewissen Geldmitteln und einem belgischen Paß" an ihren Kreideküsten als Flüchtling landen gesehen und den sie einige Jahre später als feindlichen Kaiser landen zu sehen befürchtet. Es war der erste fran­zösische Kaiser, den sie sahen, an seiner Seite nicht nur die erste französische, sondern überhaupt die erste Kaiserin, welche den britischen Boden betreten, eine be­rühmte Schönheit, die Herrscherin der Mode, alles wie es seit 70 Jahren in Frankreich nicht dagewesen. Kein Wunder bei dem Respect vor Titel und Rang, welcher den anglosächsischen Engländer mit einem gewissen Stolze das Joch seiner normännischen Aristokratie tragen läßt, daß der Zulauf alles Erhörte in London überstieg, und daß die" Rufe halb der schönen Kaiserin, halb dem Kaiser galten, dessen Heer die Trümmer der englischen Streitkräfte vor Sebastopol vor gänzlichem Untergang gerettet. Freilich mögen altenglische Patrioten auch nicht gefehlt haben, aus deren Andenken Waterloo nicht schwindet und die bei der Anwesenheit des Kaisers auch des Untergangs des eng- li,chen Heeres und des Übeln Willens der britischen Miliz gedacht, die des Wechsels der Zetten eingedenk geblieben sind!