Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfort,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.» <^^^W
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(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.) '^^^
JS 88. Samstag, den 14. April 1855.
Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 14, April. (Die Z ei ch en der Zeit.) Nachdem der französische Minister deS Auswärtigen, Drouin de l'Huys, am 6. und der Bevollmächtigte des DivanS Ali Pascha am 8. d. M. in Wieil angekommen, hat am 9. eine neue Versammlung der Wiener Conferenz stattgefundcn. Trotz dem gegenseitigen Versprechen der tiefsten Verschwiegenheit enthalten die Zeitungen doch bereits eine Menge Nachrichten über den Inhalt dieser Berathung. „Drouin de l'Hups" heißt eS, „soll eine neue Präcisi- rung deS 3. und 4. Punktes mitgebracht haben, welche der Wiederherstellung deS Friedens günstig ist." Ob dies wahr oder unwahr, mag dahin gestellt sein. Um die gegenwärtige Situation zu erkennen, scheint eS jedenfalls sicherer, auf diejenigen Zeichen der Zeit zu achten, welche offen vor aller Welt zu Tage treten, als sich in Conjektu- ren über die Vorgänge innerhalb des Wiener Konferenzsaales zu verlieren. Als ein solches Zeichen tritt unS aber in Frankreich der allgemeine Wunsch nach der Herstellung des Friedens mit der größten Entschiedenheit entgegen. Das „Journal des Debats", die „Assemblee Nationale", „Union" und „Gazette de France" verkünden um die Wette den Frieden; nur ein Pariser Blatt Hâft in die Kriegstrompete und will Sebastopol mit aller Gewalt erobern. Dies ist das „Siecke", daS Organ der revolutionären Partei. Dagegen bringt der „Moniteur" vom 11. d.M. einen sehr umfangreichen Artikel über die militärische Erpedition nach dem Orient, welcher dazu bestimmt scheint, auf ein demnâchstigeS Aufgeben der Belagerung von Sebastopol vorzubereiten. — Begeben wir uns von Frankreich nach England, so finden wir die Bevölkerung her Hauptstadt fast überwiegend mit den Vorbereitungen für die Ankunft deS französischen KaiserpaareS beschäftigt. Welche Ovationen man demselben darzubringen denkt — darüber giebt die „Times" in einem kürzlich erschienenen Leitartikel überraschende Aufschlüsse. Sie spricht davon, „ wie die königlichen Tapezierer nicht genug Throne und Thronhimmel herbeischaffen könnten." Ist das Ironie oder wirkliche Be- geyterung? Sie nennt Louis Napoleon „einen Kaiser von der alten römischen Sorte, durch sich selbst zum Kaiser cmporgestiegen, von der Armee zum Kaiser ernannt und vom ^olke als jolcher erwählt." Welcher Aufwand von mühsam zusammengesetzten Beiwor- ten. Sie geht dann zü den Vergnügungen über, welche das Kaiserpaar besuchen könne; sie berührt tm Vorbeigehen den Crystatlpalast, sowie den großen Erdgloben in Leicester-