Intelligenz-Blatt der freies Stadt KMfsrt, /^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- D^^^W behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.^ z||||S|
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgaffe 21.)
M 64 .
Samstag, den 17. März
1855.
Ueherblicke der Creigniffe èm Gebiete der politischen nn- Materiellen Interessen.
Frankfurt, den 17. März. In der jüngsten Zeit bereiten sich wichtige Aenderungen in der öffentlichen Meinung Englands vor, die nicht ohne Einfluß auf die Haltung der Regierung in Bezug auf die Kriegsfrage sein können. Die Blätter der Torypartei, die früher mit so großer Entschiedenheit die energische Fortsetzung des Krieges bis zur Demüthigung und Schwächung Rußlands verlangten, stimmen eine mehr und mehr -friedliche Sprache an. Theils mag dies veranlaßt sein durch die wachsende Ueberzeugung, daß ein Sieg der verbündeten Truppen auf der Krim nicht wahrscheinlich ist; mehr aber wirkt, wie deutlich hervortritt, die Besorgniß, daß Frankreich, da der Krieg nur zu Lande geführt werden kann, eine England mehr und mehr in Schatten stellende Uebermacht erlangen w^rde. Der alte Gegensatz gegen Frankreich, wenn auch durch die gemeinsame Kriegführung verdeckt, regt sich dennoch und beginnt die Bande zu lockern, welche beide Staaten ffo innig zu verknüpfen schienen.- Am nachdrücklichsten spricht sich dies in der „Preß" aus, die so weit geht, daß sie gegen den Kaiser von Frankreich in einer tiefen Unwillen athmenden Sprache die Anklage richtet, von ihm, nicht von Rußland, würden dem Frieden Hindernisse entgegengestellt, indem er Preußen für den Abschluß eines Separatvertrages Bedingungen auferlege, die ein unabhängiger Staat nicht eingehen könne. Parallel diesem Umschwung in dem Urtheil eines bedeutenden Theiles der englischen Presse regt sich auch in der Aristokratie des Landes eine wichtige.Partei für den Frieden; auch bei ihr ist die Furcht vor der Uebermacht, die Frankreich als Preis des Kampfes davon tragen werde, das bestimmende Motiv. Die Bedeutung, dieser in der Stimmung Englands vorgehenden Aenderung, ist aber um so größer, als auch das französische Volk keineswegs für die Fortsetzung des Krieges begeistert ist, vielmehr nach verschiedenen und übereinstimmenden Nachrichten die Wiederherstellung des Friedens dringend wünscht. Kundgebungen, wie die sanguinischen Friedenshoffnungen, die sich an der Börse bei der Nachricht von dem Tode des Kaisers Nicolaus quSsprachen, die plötzliche Belebung deS gewerblichen Verkehrs bei dem Eintritt dieses Ereignisses, laute Demonstrationen im Theater zu Gunsten des Friedens — das sind deutlich redende Zeichen der eigentlichen Volksstimmung in Frankreich, die außerdem durch die Correspondenzen verschiedener Blätter als eine dem Frieden zuneigende geschildert wird. Dasselbe scheint bei der österreichischen Regierung der Fall zu